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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1906-01-01 · 9 (1906) · p. Seite 129

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
9 (1906)
Article
Gabriel Riesser
Date
1906-01-01
Page
Seite 129 (sequence 9)
Language
German
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129 Der jugendliche Vorkämpfer für das Recht seiner Glaubensbrüder Sefeitnt hierauf, daß er der jungen Generation als Jude angehöre, die an der Lehre ihrer Väter festhalte, „wenn sie gleich sehr vieles von den Formen derselben, was anderen wesentlich erscheine, als nur vorübergehende Notwendigkeit' einer untergegangenen Zeit angehörend, von sich weise". Aber weit, sehr weit ist er davon entfernt — und dagegen verwahrt er sich auf das allerentschiedendsie — auf eben diese besondere Anschauung seine Ansprüche auf bürgerliche Gleichstellung nur im mindesten gründen, einer Aristokratie der Aufklärung an die Stelle der Aristokratie des Glaubens setzen und sich dadurch von einem großen Teil der Glaubensgenossen, die ihm nicht minder nahestehen, als die, die seine Ansicht teilen, isolieren zu wollen. Leider ist dieser Standpunkt Rießers in der Folgezeit gerade von der Richtung, der er nahestand, nicht immer innegehalten worden. Es ist natürlich hier nicht möglich, einen genauen Extrakt aus dem Inhalt dieser oder der folgenden Arbeiten zu geben. Ich wollte nur den eigentümlichen Charakter seiner Verteidigung der Juden darlegen. Nur einzelne besonders charakteristische Auszüge seien mir gestattet und zwar solche, die gerade für unsere Zeit von besonderem Interesse sein möchten. So sagt Rießer unter anderem, indem er den Zusammenhang der jüdischen mit allen anderen Fragen der Zeit erörtert: „Welcher fühlende Mensch, der im Schutz des mosaischen Glaubens geboren ist, kann sich ohne den tiefsten Schmerz den Zustand vergegenwärügen, der die Folge davon sein würde, wenn — wohin die Tendenz einiger Indifferenteren geht — die Gebildeteren, die Talentvolleren, die Einflußreicheren, die natürlich am empfindlichsten gegen den gräßlichen Zustand der Dinge sind, zu dessen Verbesserung aber gerade ihre unermüdeten Anstrengungen nötig sein müssen, sich losrissen und die armselige, gedrückte, hilflose Masse, sich selbst und dem Staate zur Last, zurückließen. Daß aber, wie sich einige Unkundige träumen lassen, die die heiligsten menschlichen Verhältnisse aus der beschränkten Perspektive 9

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