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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1906-01-01 · 9 (1906) · p. Seite 127

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
9 (1906)
Article
Gabriel Riesser
Date
1906-01-01
Page
Seite 127 (sequence 7)
Language
German
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127 Verschiedenartigsten Rüstkammern ihre Waffen entnehmen, um ihre Gehässigkeit zu bemänteln oder zu entschuldigen; er tritt mit dem Ausdruck des schärfsten sittlichen Unwillens gegen die häufig gemachte Zumutung desUebertritts zur herrschenden Religion als des Preises der bürgerlichen Rechte auf; er zeigt, daß der Zeitpunkt gekommen sei, diesen Gegenstand mit dem rücksichtslosesten Ernst zur Sprache zu bringen, daß die Frage der bürgerlichen Gleichstellung der Juden denselben Gehalt in sich trage, wie der allgemeine Kamps der Unterdrückten gegen die Unterdrücker, der jetzt oder nie durchzuführen sei. In sehr zutreffender Weise charakterisiert der erste Biograph den Standpunkt seines Helden, der die Juden aufforderte, überall, wo ihre Rechte ihnen vorenthalten werden, zusammenzustehen und zu zeigen, daß es ihnen allgemeine Sache sei, für die sie sich erheben. An allen Orten sollten sie Vereine bilden und bei den Regierungen und den Kammern durch Petitionen chr Recht in Anspruch nehmen. Bescheidenheit dünkt ihm erhaben, sagt Rießer in der Vorrede zu dieser Schrift, wenn sie dem Auge des Schwachen die Ueberlegenheit des Starken verhüllt, aber häßlich bis zum Ekel, wenn sie der Uebermacht den feigen Tribut der Untertänigkeit zollt. Denen gegenüber, die es für eine Torheit hielten, die Güte und Gerechtigkeit einer Sache, der keine äußere Gewalt zu Gebote stehe, zu verteidigen, spricht er sich in sehr entschiedener Weise aus: „Ich kann dieser Ansicht nichts anderes entgegensetzen, als daß ich sie für eine unwürdige Verleumdung der Menschennatur halte, daß sie von der Geschichte, in der immer ein sittliches Moment, ein Recht, ein Glaube, ein Gedanke die Menschen beherrscht und Lügen gestraft wird, und daß sie in diesem besonderen Falle eine durch nichts begründete Beleidigung gegen deutsche Fürsten und deutsche Volksvertreter enthält. Ich glaube vielmehr — und nur damit kann ich mein Auftreten rechtfertigen — daß die bloße reine Wahrheit aus dem Munde des Unbedeutendsten, durch keine Autorität, durch keine Fähigkeit unterstützt, nicht ganz machtlos ist, und daß dem Augenblick der vollen ernsten Ueberzeugung

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