Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 9 (1906)
- Article
- Gabriel Riesser
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 124 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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124 an,. ba§> in einem recht schönen Perspektiv besteht, so schön ich es nur haben konnte; denn was wären meine Wünsche anders in diesen zwanzig Jahren als Dir, meinem jüngsten Sohne, das schönste Perspektiv für die Zukunft zu geben? O, mein Gabriel, halte die Gläser rein, damit Dir die Aussicht stets und in allen Lagen recht hell bleibt, und wenn wir, wills Gott, in Freude wieder vereint sein werden, so reiche mir .auch zuweilen Dein Perspektive, damit auch ich recht deutlich und klar in Deine Zukunft sehen kann; aber verhülle mir nie die Gegenstände, dahin Du mit Begierde blickst. Ich werde sie klar und deutlich mit Freundesauge schauen, und ich hoffe, mein gutes Gesicht wird in hohem Alter noch die jugendliche Kraft zu sehen behalten. Und das gebe der liebe Gott!" So war der Vater Gabriel Rießers. Seine Hoffnungen wurden denn auch in. herrlicher Weise erfüllt. Am 20. Dezember 1826 wurde Gabriel Rießer in Heidelberg zum Doktor beider Rechte summa, com laude promoviert. Es trat jetzt die Frage an ihn heran: was nun? Die Aussichten waren damals leider recht traurige. In Hamburg war den Juden das Bürgerrecht noch versagt; nur bei dem Handelsgericht oder als Notar für Ehe- und Erbschaftssachen der Juden oder unter der Firma eines christlichen Kollegen hätte er in Hamburg praktizieren können. Alles dies wies Gabriel Rießer mit Entschiedenheit ab. Er wollte selbständig und unabhängig sein. So ging er denn nach Heidelberg zurück in dem Glauben, daß es ihm dort möglich sein würde, als Privatdozent nicht blos leben, sondern, auch sterben zu können; aber auch die akademische Karriere war ihm verschlossen, unter dem Vorwände, daß schon zu viele Privatdozenten vorhanden seien, ferner weil die vorhandenen Dozenten den Professoren den Verdienst schmälerten, die Regierung in zudringlicher Weise um Anstellung belästigten, ja sogar unanständige Reklame machten. Rießer wandte sich dann nach Jena, aber auch dort wurde ihm die Zulassung versagt. So ging er denn 1830 nach Hamburg, um sich zur Advokatur zu melden. In seinem Be-