Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1906-01-01 · 9 (1906) · p. Seite 123

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
9 (1906)
Article
Gabriel Riesser
Date
1906-01-01
Page
Seite 123 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3111067-3111084-3113872--2381-3114012
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

123 treffend sagt einer der Biographen Rießers von Rafael Cohn, daß er damals Wohl nicht ahnte, daß der Geist der Schönheit, der Klarheit und des Geschmacks, in dem Mendelssohn die Bibel übersetzte, vereint mit der Unbeugsamkeit, Unerschütterlichkeit und Unerbittlichkeit des Rechtssinns und der Richterwürde, die ihn selbst beseelten, in seinem Enkel Gabriel zu so herrlicher Blüte sich vereinigen würden. Sein Vater, Lazarus Jakob Rießer, der aus dem Rieß in Bayern stammte und als Sekretär der jüdischen Gemeinde in Altona lebte, war ein feingebildeter Mann von aufrichtiger Frömmigkeit. Als sein Schwiegervater, den er innig verehrte-um eines Rechtsstreits mit der dänischen Regierung willen, das Rabbinat freiwillig niederlegte, ging er nach Lübeck und pachtete dort die Stadtlotterie. Aber nach Verlauf der Pacht mußte er die Stadt verlassen, die keinen Juden duldete. Es ist schon hervorgehoben worden, daß die Zeit von Rießers Geburt als eine providentielle bezeichnet werden darf. „Er, der berufen war, seine Glaubens- und Stammesgenossen aus unsagbarem Drucke zu erlösen, aus ägyptischer Knechtschaft zu befreien, erblickte das Licht der Welt an jenem Feste, das zur Erinnerung an die Befreiung aus ägyptischem Sklavendienst einst eingesetzt ward." Gabriel Rießer wurde am ersten Sederabend des Jahres 1806 während der Vorlesung der Hagada geboren. Ob der beglückte Vater bei der Freudenbotschaft von der Geburt seines jüngsten Sohnes wohl ahnen mochte, daß es diesem einmal beschieden sein würde, sein Volk aus Dunkelheit zu hellem Licht, aus Trauer zur Freude, aus der Knechtschaft zur Freiheit zu führen? Die Erziehung des Knaben war eine sehr sorgfältige. Er besuchte die Gymnasien in Lübeck und Hamburg, sodann die Universitäten in Kiel und Heidelberg, um die Rechte zu studieren. Noch besitzen wir die Briefe, die der Vater damals an seinen Sohn schrieb. Sie sind wahrhaft rührend zu lesen. Zu seinem 20. Geburtstage schenkte ihm der Vater ein Perspektiv und schreibt dazu: „Als Symbol meiner väterlichen Wünsche nimm mein Geschenk

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.