Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 9 (1906)
- Article
- Assimilation
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 116 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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110 Es gibt noch eine Forrn der Assimilation. Der Tier- und Pflanzen-Organismus nimmt gewisse Substanzen als Nährmittel auf und gestaltet, formt sie derart um, daß sie zur Erhaltung des eigenen Körpers dienen, er assimiliert sie. So assimiliert der Organismus des Säuglings die Milch zu Blut, Fleisch und Knochen. Das Ungeeignete assimiliert der Körper nicht, er stößt es wieder ab. So assimiliert er manche Heilmittel und entfernt die Gifte. Somit wären wir bei dem zweiten und letzten Teil der Frage angelangt: Ist die Assimilation eine Weiterentwickelung? Ganz bestimmt ist sie das nicht immer; wir können sogar behaupten, daß sie das sehr oft nicht ist. Zahlreiche blühende Pflanzen verlieren in der Assimilation Farbe oder Duft; die infolge der Assimilation degenerierten Organismen bleiben in der Regel unfruchtbar und sterben aus und die sogenannten Uebergangsformen gehen zu Grunde. Interessant ist die jüngst konstatierte Tatsache, daß der Krebs als Krankheit bei den sogenannten wilden Tieren nicht vorkommt, während gezähmte Tiere derselben Gattung, z. B. Hunde, häufig durch Krebs zu Grunde gehen. Ganz dieselbe Beobachtung macht man bei den in Amerika aklimatisierten Negern, im Gegensatz zil den in Afrika „wild"lebenden. Am interessantesten sind jedoch die Daten, welche die vergleichende statistische Forschung über die physische Assimilation der Juden zutage fördert. Einen bedeutenden Teil der Bevölkerung New-Aorks bilden die aus Not dahin verschlagenen Juden, die auch dort noch größtenteils in Armut und Elend weiterleben, schlecht genährt in schlechten Behausungen. New-Uork liefert auch sonst interessantes Vergleichsmaterial mit anderen Völkern weißer Rasse, sowie auch mit solchen der schwarzen und gelben mit Negern und Chinesen. Unter allen ist der Jude, besonders auffallend hinsichtlich seiner Widerstandsfähigkeit gegen alle Infektionskrankheiten. Trotz ungünstiger hygienischer Verhältnisse, schlechter Ernährung und überfüllter Wohnungen sind sie die gesundesten.