Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 9 (1906)
- Article
- Raschi
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 100 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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100 :lärmigen seiner Lehrer und Vorgänger aufbauen durfte und in ihm Alles darbot, was er aus dieser in letzter Linie auf die Gaonen, also die berufenen Erklärer des Talmuds zurückgehenden Ueberlieferung der Talmuderegese geschöpft hat. Natürlich bot Raschi nicht nur überlieferte Erklärungen des Talmudtextes; seinem scharfen und klaren Geiste, unterstützt durch die volle Vertrautheit mit dem weiter: Gebiete der Traditionsliteratur, gelang, es auch dort den richtigen Sinn festzustellen, wo die überlieferte Exegese ihn im Stich ließ. Und wenn auch, vermöge der Art, wie Raschi seiner: Kommentar redigierte und vermöge der Unnachweisbarkeit seirier Quellen, nur teilweise zu erkenrrerr ist, was er aus Eigenem zürn Ueberkommenen hinzutat, so ist doch überall ersichtlich, daß Raschi mit selbständiger Auffassung und überlegener Beherrschung des Stoffes seine Auswahl aus den früheren Erklärurigen machte und dieselben durch seine eigenen ergänzte. Was Raschi's Verfahren in erster Reihe auszeichnet, ist die Textkritik, mit der er vielfach den Grund zu seiner Erklärung legt. Den tälmudischen Text berichtigt er nnb stellt die ihm als die allein berücksichtigenswert erscheinende Lesung fest, sei es auf Grund von Varianten, die er in der: ihm zrr Gebote stehenden Handschriften farrd, sei es auf Grund von Konjekturen, die er bei denr durch die Abschreiber verderbter: Texte anzuwerrden für gut farrd. Diese Textkritik Raschi's ist für die Geschichte des Talmudtextes von großer Bedeutung, da die vor: Raschi festgestellten Lesungen aus seinem Komrnentar irr . den Text eirrdrarrgen. Bon einer dadurch bewirkter: Verderbnis der Talmudtexte karn: aber deshalb nicht die Rede sein, weil Raschi auch dort, wo er nicht zwischen verschiedenen Lesarten zu wählen hatte, mit kongenialem Verständnisse für den Inhalt des zu berichtigender: Textes vorging. Euren weiterer: inhaltlicher: Vorzug des Raschi'schen Talmudkommentars bildete die Sorgfalt, die er der sprachlichen Erklärung zuwendet, indem er namentlich eine gerrarre Beftimrruurg der Wortbedeutungen anstrebt. Dabei biente ihm auch, wie bereits erwähnt war, die Wiedergabe der Worte in's Französische als Hilfsmittel.