Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 9 (1906)
- Article
- Raschi
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 96 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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96 Kenntnisnahme mannigfaltiger Dinge bot, als Sitz des Gewerbefleißes und zweier von fernher besuchter Jahresmessen, ist jüngst von einem bewährten Raschi-Forscher treffend gezeigt worden. Und noch ein Punkt sei aus der geistigen Rüstkammer Raschis hervorgehoben: seine gründliche Kenntnis des Französischen. In Raschis Kommentaren finden sich mehr als dreitausend Stellen, an denen er die Verständlichkeit seiner Erklärung durch die französische Wiedergabe der betreffenden Worte erhöht; man hat berechnet, daß nian aus diesen Stellen ein Vokabular von etwa 2000 französischen Wörtern zusammenstellen könnte. Durch diesen Umstand sind Raschis Kommentare zu einer der wichtigsten Quellen für die Geschichte der französischen Sprache geworden; sie bieten die französischen Vokabeln zwar in hebräischer, dabei sehr oft durch die Unkunde der Abschreiber entstellter Transskription, aber gerade dadurch in einer Form, in welcher wertvolle Hinweise auf die Aussprache der Wörter enthalten sind. Uebrigens war Raschi nicht der Erste, der die französische Wiedergabe der Wörter als Mittel der Exegese benutzte. Er selbst bringt Beispiele solcher Wiedergaben, die von Gerson b. Jehuda (zu Jes. 46, 1) und dessen Bruder Machir (zu Gen. 43, 11) herrühren. Die zum Zwecke des Unterrichts verfaßten Glossarien, welche den Mbeltext mit der französischen Uebersetzung von Wörtern oder auch ganzen Phrasen begleiteten und deren eines, aus dem Jahre 1291 stammendes, jüngst (1905) durch Lambert und Brandin veröffentlicht wurde, waren vielleicht schon zu Raschis Zeit gebräuchlich. In welcher Reihenfolge die Schriften Raschis entstanden sind, läßt sich nicht ermitteln. Bei seinem Tode blieben von seinem Kommentarien zu Bibel und Talmud einzelne Bücher unvollendet. Zu Kap. 40, V. 27 des Buches Hiob findet sich in einer Handschrift folgende Bemerkung des alten Abschreibers: „Sowie der Eigen-