Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 9 (1906)
- Article
- Raschi
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 95 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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95 aus dem Mainzer Lehrhause mit sich. Auch das von dessen Bruder, Machir b. Jehuda, verfaßte und „Alphabeta" genannte talmudische Glossar besaß er. In seiner Bücherei fanden sich die verschiedenen Erzeugnisse der Traditionsliteratur; außer den bereits genannten Auslegungsschriften: die Tosefta, Seder Olam, die Fastenrolle, die Traktate Semachoth und Kallah, Aboth di R. Nathan u. s. w. Auch der palästinensische Talmud wurde von Raschi benutzt. Er besaß das Buch Jezira und dessen Kommentar von Sabbathai Donnolo. Die Literatur der Gaonen war durch Halachoth Gedoloth, zahlreiche Responsen und andere Schriften vertreten. Von Saadja erwähnt er ein sonst nicht vorkommendes „Buch der Punktation"; ferner weist er auf dessen poetische Aufzählung der 613 Gebote im Rahmen des Dekalogs, die sogenannten Azharot hin (zu Exod. 24, 12). Natürlich besaß er liturgische Poesien, auch die Kalirs, welche er auch erklärte. Als einziges, den bisher berührten Literaturgebieten nicht angehörendes Buch, das bei Raschi benutzt ist. sei noch das Geschichtswerk Josippon genannt. Dieser kurze Blick auf die Bibliothek Raschis, die man im Hinblick auf die damalige Kostspieligkeit und Seltenheit der Abschriften nicht ob ihrer Kleinheit geringschätzen darf, giebt durchaus keine volle Vorstellung von dem Horizonte des Wissens und der Anschauungen Raschis. Viele Autoren zitiert er nach mündlichen Mitteilungen; so die Bibelauslegungen seines Zeitgenossen Menachem b. Chelbo, auf Grund der Mittellungen von dessen Neffen, dem bereits genannten Exegeten Josef Kara. Und die Kenntnisse von den verschiedenen Realien, welche bei seiner Erklärung der Bibel und des Talmuds zur Frage kommen, schöpfte er nicht aus Büchern, sondern aus der lebendigen Anschauung, die er vermöge seines lebhaften Interesses und seines offenen Auges und klaren Verstandes von den verschiedenen Gegenständen und Verhältnissen der bürgerlichen Gesellschaft und ihrer Beschäftigungen gewonnen hatte. Daß grade Trotzes zu jener Zeit vielfache Gelegenheit zur