Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 9 (1906)
- Article
- Raschi
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 91 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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91 er endliche vielleicht in seinem fünfundzwanzigsten Jahre^ für immer in Troyes blieb und selbst eine Schule gründete, die gar bald die von ihm besuchten Lehrstätten an Ruhm und Bedeutung überstrahlen sollte. Unter welchen äußeren Verhältnissen Raschi in Trotzes lebte und wirkte, wird nirgends erzählt. Obwohl er selbst einmal berichtet, daß er seine Lehrjahre in der Fremde unter Entbehrungen verbrachte, braucht man nicht anzunehmen, daß auch in Troyes Dürftigkeit sein Loos war. Es scheint vielmehr, daß ihm, der Wohl auch als das religiöse Oberhaupt seiner Gemeinde tätig war, die niederen Sorgen des Lebens erspart blieben. Die soziale und ökonomische Lage der Juden in Nordfrankreich war in seinen Tagen keine ungünstige, wodurch erklärlich wird, daß so Viele Muße fanden, sich dem Studium zu widmen und dem Lehrhause Raschis zuzuströmen. Das Ansehen Raschis wuchs während seiner vierzigjährigen Lehrtätigkeit immer mehr. Von allenthalben wandte man sich um Belehrung und religionsgesetzliche , Entscheidung an ihn; auch mit seinen ehemaligen Lehrern ftaub er in schriftlicher Verbindung. Als er am 29. Tammus 4865 (1105) aus dem Leben schied, waren die jüdischen Gemeinden Nordfrankreichs Sitze jüdischer Gelehrsamkeit geworden, deren Träger die Schüler Raschis waren. Als etwa siebzig Jahre nach Raschis Tode Benjamin von Tudela seine Reisebeschreibung vollendete, schloß er sie mit dem Ruhme der nordfranzösischen Juden: „Dort giebt es Weisenjünger wie nirgends in der ganzen Welt, die sich Tag und Nacht mit der Lehre beschäftigen, Gastfreundschaft üben und gegen alle ihre jüdischen Brüder sich als Brüder und Freunde erweisen". Raschi war es, auf dessen Lebensarbeit diese ruhmvolle Stellung der nordfranzösischen Gemeinden innerhalb der jüdischen Gesamtheit beruhte. Der erste Kreuzzug, mit dessen oberstem Heerführer die Sage Raschi in Zusammenhang gebracht hat, warf sicherlich seinen Schatten auf das friedliche Dasein des Meisters von Troyes. Auch zu ihm gelangte die Kunde von dem grausamen Schicksal, das die Juden der Rhein-