Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 9 (1906)
- Article
- Raschi
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 90 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3111067-3111084-3113870--2346-3113979- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Rashi 2× ep/1002670
OCR text
90 liefert; aber er selbst nennt den Namen eures gelehrten Bruders seiner Mutter, Simson des Älten, und beruft sich auf dessen Aufzeichnungen behufs Erklärung einer Talmudstelle (zu Sabbath 873.). Die Erklärung, welche Raschi im Namen seines mütterlichen Oheims anführt, hatte dieser, wie er angiebt, aus dem Munde „Rabbi Gerschoms, des Vaters der Diaspora" vernommen. Es ist das Gerson ben Jehuda, die „Leuchte der Diaspora", wie er gewöhnlich genannt wird, dessen mittelbarer Schüler auch Raschi wurde, indem er zu den Füßen seiner Jünger saß, die in Mainz und Worms die Tätigkeit des im Jahre 1028, zwölf Jahre vor Raschis Geburt, gestorbenen Meisters fortsetzten. Diese Lehrer Raschis, auf die er sich vielfach beruft, waren Jakob ben Jakar und Isaak Ha-Levi in Worms, Isaak ben Jehuda in Mainz. Den Erstgenamrten pflegt Raschi seinen „alten Lehrer" zu nennen, und einmal (zu Pesachim 111b) sagt em» ausdrücklich von ihm, er sei in Bibel und Talmud sein Lehrer gewesen. In einem seiner Responsen rühmt ihm Raschi die Demut, die „größte aller Tugenden" nach, in welcher ohne Zweifel Jakob ben Jakar das Vorbild seines größeren Schülers war. Nicht nur die mündliche Belehrung wurde Raschi von den genannten Meistern zu teil; auch ihre schriftlichen Aufzeichnungen standen ihm zur Verfügung, ebenso wie die in den Lehrhäusern zu Worms und Mainz bewahrten Kommentarien zum Talmud, welche auf Gerson ben Jehuda zurückgingen. Ohne Zweifel erhielt Raschi durch diese die erste Anregung zu seinem großen Lebenswerke, und durch die Bekanntschaft mit diesen Kontresim (Quaternia, Schreibhefte), wie man sie nannte, reifte der Entschluß in ihm, dem Studium des Talmuds ein vollkommneres Hilfsmittel zu schaffen, als ihm selbst in den Schulen am Rhein zu Gebote gestanden war. Raschi hatte bereits das Jünglingsalter überschritten, als er aus Trotzes nach Deutschland kam; und er suchte in seinen Lehrjahren zuweilen seine Heimat wieder auf, wo die Lebensgefährtin seiner harrte, bis