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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1906-01-01 · 9 (1906) · p. Seite 60

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
9 (1906)
Article
Christentum und Judentum
Date
1906-01-01
Page
Seite 60 (sequence 2)
Language
German
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00 in den nachchristlichen Jahrhunderten im alttestamentlichen Schrifttuin oder entstammen ganz und gar dem altjüdischeu Volksgeist. Dagegen standen die Zlpostel bei aller Selbständigkeit unter dem Einflüsse der Rabbinen, da in der Sittenlehre des Neuen Testaments sich nicht ein Satz befindet, der nicht im Alten Testament oder im rabbinischen Schrifttum zum mindesten implicite enthalten wäre. Schließlich ist ja das mosaische Gebot der Nächstenliebe (III. Mose 19,18) der Kardinalpunkt, von dem die ganze Sittenlehre abhängt. Das Samenkorn, in welchen Boden auch gesenkt, fcmrt doch nur eine Frucht Hervorbringen, die dem Keime entspricht. Nicht bloß die jüdisch-hellenistische Literatur in Alexandrien, sondern auch die Spruchweisheit und die Parabeldichtung der Rabbinen in Palästina dienten der neutestamentlichen Predigt zum Vorbild. Gilt das Gesagte von der Sittenlehre, um wie viel mehr muß die Gotteslehre im Judentum ihre Originalität gewahrt haben. Der Monotheismus in seiner Reinheit brückt dort allen Aeußerungen den entscheidenden Stempel auf, und das ist es auch, was den unüberbrückbaren Gegensatz bildet zwischen Christentum und Judentum. Doch da es hier nicht darauf ankam, die Gegensätze hervorzukehren, sahen wir von allen den Aussprüchen ab, durch die "sich das Christentum vom reinen Monotheismus -entfernt. Gegen die Vorwürfe, Israel bekenne einen Nationalgott, einen Gott der Rache und des Zornes, und betrachte nur die Stammes-und Glaubensgenossen als „dieNächsten", gegen solche Vorwürfe streitet das Bekenntnis: Gott ist Schöpfer der Welt, Herr der Völker und Allvater, ein Gott der GereAigkeit, Liebe und Barmherzigkeit; alle Menschen, in seinem Ebenbilde geschaffen, sind seine Kinder. Und diesem Bekenntnis schließen sich an die Forderungen der kindlichen Liebe zu Gott und der brüderlichen Liebe zu den Nebenmenschen. Es geht nicht an, Rechtsbestimmungen, wie das vielberufene „Auge um Auge, Zahn um Zahn" heran- Zuziehen, um die jüdische Religion zu einer Religion der

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