Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 9 (1906)
- Article
- Christentum und Judentum
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 59 (sequence 1)
- Language
- German
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Wist^nhim und iudjz nlum. Parallelen. Vorwort. Wie auf allen Wissensgebieten, so hat auch in der vergleichenden Religionswissenschaft der Entwickelungsgedanke Platz gegriffen. Soweit Christentum und Judentum in Betracht kommen, hat man dieses als eine Vorstufe angesehen irnd die Tochter über die Mutter gestellt. Nun ist ein weiteres eingetreten. Da man in jüdischen Schriften der nachbiblischen Zeit ähnliche Gedanken und Aussprüche vorfand, wie das Neue Testament sie darbot, so war man geneigt, hier eine Einwirkung auf die Rabbiner auzunehmen, indem man darauf hinwies, ihre Sentenzen seien erst nach der Abfassung der neutestamentlichen Schriften verlautbart worden. Wie wenig beachtet man doch das, was im Volke als „mündliche Thora" im Umlauf war! Jahrhunderte hindurch wurden Gesetze und Lebensregeln von Geschlecht zu Geschlecht mündlich tradiert, ehe man sich veranlaßt sah, sie niederzuschreiben. Wenn wir von der Spruch- Weisheit des Josua Sirach, die im 2. Jahrh. v. Ehr. als Schriftwerk erschien, absehen, so sind beispielsweise die „Sprüche der Väter" ein Niederschlag solcher Tradition. Die Rabbinen verharrten als Pharisäer auf dem gesetzlichen Boden. So wurzeln ihre Aussprüche auch selbst