Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 9 (1906)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 54 (sequence 33)
- Language
- German
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Werk von Karl Emil Franzos: Der Pojaz, in dem der Dichter noch einmal alles zusammenfaßt, was er über seine unglücklicher: Brüder im Osten zu sagen hat. In einem höchst interessanten Vorwort erklärt er die äußeren Umstände, unter denen er zun: Ghettopoeten geworden ist. Seine Mission wurzelt in den tiefen Eindrücken feiner Kindheit und in den Erfahrungen seiner Jugendzeit. Der Plan zu dem Roman ist über zwanzig Jahre alt. Der Dichter zögerte rnit der Ausführung und Veröffentlichung, eben weil es sich um einen Rornan handelte, während er bisher aus diesen: Stoffkreis nur Novellen geschrieben hatte. „Wer einen Ausschnitt schildert, braucht nur diesen zu kennen; zu einen: Gesamtbilde aber gehört Beherrschung des gesamten zu schildernden Lebens in seinen sämtlichen oder doch wichtigsten Beziehungen." Franzos zögerte, bis er sich sagen konnte, daß er genug vom äußeren und inneren Leben des Judentums wußte, daß er die jüdische Volksseele tief ergriffen hatte, im: dieses Werk schreiben zu können. Sein Bekenntnis ist interessant: „Ich habe mich bemüht, ineinen Roman so zu schreiben, daß er von jedem Leser, gleichviel welchen Bekenntnisses, auch wenn er nie einen Juden des Ostens gesehen hat, verstanden werden kann." Was nun die Tendenz anbelangt, so kann es keinem Zweifel unterliegen, daß Franzos für die Juden und nicht zu ihrem Schaden gewirkt hat. Er hat seine Waffen nicht nur gegen die äußeren, sondern auch gegen die inneren Gegner gekehrt, er hat seine Mission erfüllt. Ein wackerer Streiter für Recht und Freiheit ist er bis zu seinen: letzten Atemzug geblieben, und dieser Roman ist der notwendige Abschluß seines dichterischen Schaffens. In diesem Werke ::nd durch dieses, das wir sicher eine der bedeutendsten Schöpfungen der epischen Poesie nennen dürfen, wird das Andenken des ausgezeichneten Mannes fortleben, von dessen erstem Werke: Die Juden von Barnow, in diesem Jahre die vierte Auflage erschienen ist. Einige kleinere Erzählungen bewegen sich wesentlich in demselben Stoffkreis, so die Geschichten von A. Kahn: Entschwindende Gestalten, die Erzählung von Nathan