Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 9 (1906)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 38 (sequence 17)
- Language
- German
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38 Haltung, die nur zu oft das offene Wort eines Juden über christliche Lehren und Gebräuche unterdrückte. Mit voller Offenheit hebt der Verfasser die unterscheidenden Merkmale der beiden Religionen hervor, und mit eben solcher Entschiedenheit tritt er für das jüdische Bekenntnis ein, dem, wie er nachweist, ein großer Teil an den religiösen und geistigen Gütern der Menschheit zukommt. „Der von ihm erkannten Ueberzeugung folgend, ist es, unbeirrt durch alle Erfolge und ungebrochen durch Verfolgungen, Schmähungen und Verleumdungen seinen Weg durch die verschiedensten Wandlungen der Geschichte gegangen. Es wird auch ferner auf ihm weiter schreiten, Gott getreu, im Dienste alles Guten und im Glauben an eine lichte Zukunft des ganzen Menschengeschlechts." Gar oft ist in den letzten Jahren, namentlich von seiten der Jugend, der Ruf erhoben worden: gebt uns Schriften, aus denen wir lernen, was das Wesen des Judentums eigentlich ausmacht, und mit denen wir die Einwürfe gegen das Judentum von gegnerischer Seite beantworten können. Nun denn, hier habt ihr zwei solcher Werke, aus denen ihr das Positive wie das Negative nach jeder Richtung hin erfahren könnt! Die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums wird mit diesen beiden Schriften hoffentlich eineir großen Erfolg erringen. Es ist aber dringend zu wünschen, daß dieser geistige Erfolg sich nun auch in Taten umsetze, und daß in den weitesten Kreisen der Gesellschaft das Interesse und die Teilnahme entgegengebracht werden, deren sie bedarf, um ihre großen Ziele weiter zu verfolgen. Unmittelbar schließt sich hier am besten eine Besprechung der Schrift von Erich Bischofs an: Jesus imd die Rabbiner. Der Verfasser, dem man ein gewisses Ringen nach Objektivität nicht absprechen darf, schießt jedoch hier weit über das Ziel hinaus. Er will auch nicht einmal zugeben, daß in den evangelischen Berichten und Allssprüchen über Jesus irgend etwas aus rabbinischell Qllellen genonlmeli sei. Am liebsten möchte er das Gegellteil behaupten. Die beste Antwort auf diese Heraus-