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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1906-01-01 · 9 (1906) · p. Seite 36

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
9 (1906)
Article
Literarische Jahresrevue
Date
1906-01-01
Page
Seite 36 (sequence 15)
Language
German
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ruht. Hierauf aber mußten die unterscheidenden Merkmale festgestellt werden, welche die Mutterreligion von den Tochterreligionen trennen. Wenn man von gegnerischer ^eite behaupten wird, daß wir durchaus ein Gegenstück zu Harnack's Wesen des Christentums haben wollten, so stimmen wir dem gern zu. Den Schaden, der durch das Buch von Harnack in manchen jüdischen Kreisen verursacht wurde, haben wir niemals abgeleugnet. Im Gegenteil! Wir haben sehr oft und sehr entschieden daraus hingewiesen, daß dieses Buch vor allem geeignet sei, falsche und gefährliche Vorstellungen hervorzurufen, und wir freuen uns herzlich, daß wir jetzt von zwei Seiten eine literarische Abwehr erhalten haben: eine positive, die das Wesen des Judentums darzustellen sich bemüht, und eine negative, die sich direkt gegen das Werk von Harnack richtet und unsere Anschauungen über diese Fragen zum Ausdruck bringt. Auch das Buch von Eschelbacher wird ohne Zweifel allgemeines Interesse erregen und wie wir zuversichtlich hoffen, einen guten Einfluß ausüben. Zwar sind schon, als das Buch von Harnack erschien, mehrfache Erwiderungen von jüdischer Seite erfolgt, aber sie beschränkten sich auf einzelne Bemerkungen und Widerlegungen. Der ganze Komplex der Fragen, die Harnack behandelt, erheischte eine besondere Besprechung. Die Frage des Verhältnisses vom Christentum zum Judentum, ihres geschichtlichen Zusammenhangs wie ihrer dogmatischen und weiteren Verschiedenheiten, erforderte eine neue Behandlung von jüdischer Seite. Mutig und entschieden geht Eschelbacher diesen Fragen zu Leibe. Welcher Anteil kommt den Juden an den Ideen zu, die das Christentum verkündigt und in weite Kreise getragen hat? In welcher Gestalt hat dieses sie ausgenommen und wie hat es sie weiter verarbeitet? Waren sie bis zur Entstehung des Christentums auf den engen Kreis des Judentums beschränkt geblieben oder hat dieses selbst sie schon früher in weiteren Kreisen zu verbreiten gesucht? Weshalb haben die Juden Jesus nicht als Messias anerkannt und weshalb wurde er gekreuzigt? Welchen Gang nahm die eigene messianische Erwartung des Judentums? Alle diese Fragen

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