Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 9 (1906)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 35 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3111067-3111084-3113868--2289-3113924- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
gemäß die Idee der Offenbarung, aus deren ethischem Charakter mit innerer Notwendigkeit die Idee der Menschheit, der Gedanke der Weltreligion, hervorgehen mußte. Die Gedanken, die Bäck über die Mission des Judentums und über dessen Propaganda ausspricht, sind ganz vorzüglich, und ebenso ist seine Darstellung der Grundideell des Judentums eine vortreffliche. Zu diesen Ideen gehören vor allem der Glaube an Gott und der Glaube an den Menschen, d. h. der Glaube an uns, der Glaube air den Nebenmenschen und an die Menschheit, durch welchen das Dasein sein unendliches Ziel auf Erden gewinnt. Sind wir mit dem Verfasser bis dahin gelangt, so Werder: wir seine Anschauungen über die Bewertung des Judentums nicht nur begreifen, sondern auch völlig billigen. Seine Äußerungen über das Gesetz entstammen aus einer tiefen Kenntnis der jüdischen Lehre, seine Hoffnungen auf die Zickilnft entsprechen den Voraussetzungen, von denen er ausgegangen. Die Geschichte selbst, so sagt er, hat dem Judentum die Apologie geschrieben. Wo inimer die Wahrheit siegte, die Gerechtigkeit triumphierte, dort hat das Judentum seine Wohlfahrt, das Verständnis und den Frieden gefunden.. Von ihm gilt das Wort des jüdischen Weisen: „Der Anfang zeugt für das Ende, und das Ende wird einst für den Anfang zeugen." Unser Heil und unsere Zukunft beruht aus der selbstlosen Gesinnilng, auf der Hingebung, auf der Opferwilligkeit, auf dem religiösen Jdealisnms. Von diesem Idealismus ist das Buch Bäcks erfüllt, ilnd ich glaube, daß es auf jeden ehrlich und unbefangen Denkenden unter den Nichtjuden einen guten Eindruck Hervorrufen, auf die Gebildeten unserer Gemeinschaft aber einen tiefen und nachhaltigen Einfluß ausüben muß. Die Hauptsache bleibt freilich die, daß es gelesen wird, und dafür werden alle zu sorgen haben, denen die Erhaltung des Judentums am Herzen liegt. Ein würdiges Seitenstück zu dem Buche von Bäck ist die Arbeit von Eschelbacher. Sie ist die notwendige Ergänzung des anderen Werkes. Zunächst galt es die Grundlagen darzustellen, auf welchen das Judentum be- 3*