Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 9 (1906)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 32 (sequence 11)
- Language
- German
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entgegengesetzten Standpunkten ausgehen, so kommen sie doch aus verschiedenen Wegen am Ende zu dem gleichen Ziele, welches für uns das wichtigste ist. Eine eigenartige Stellung nimmt unter diesen Forschern der grundgelehrte B. Jacob ein, dessen exegetisch-kritische Forschungen über den Pentateuch der modernen Bibelkritik mit wuchtigen Argumenten scharf zu Leibe gehen. Nicht übergangen werden dürfen hier die eindringenden biblischen Studien von Josef Halevy. Endlich erwähne ich noch eine Schrift von Gerson über Koheleth, die Ausgabe des Estherbuches von Sulz b ach die Studie über das Einhorn von E. Heilborn, die Schriften von Gelb haus und Rosental über die Propheten, die Fortsetzung der polnischen Bibel von Cylkow, populäre Bibelerklärungen von Gossrau und Liebermann, sowie den Vortrag von Rosenbacher über Hammurabi. Und zum Schluß dieser Abteilung gedenke ich noch nüt Wehmut der vorzüglichen Psalmenübersetzung, die unter Leitung des eben verstorbenen Zadoc Kahn in Paris erschienen ist. Was dieser Mann für das Judentum geleistet hat, gehört auf ein anderes Blatt. Hier soll nur seiner unermüdlichen und aufopfernden Fürsorge für das jüdische Schrifttum und dessen Träger gedacht werden, seines heiligen Eifers, mit dem er dieses Schrifttum alle Zeit seines Lebens schützte und hütete. Aber er selbst hat, ehe er sein Amt als Großrabbiner von Frankreich antrat, das er so ruhmvoll verwaltete, der jüdischen Wissenschaft auch manche dankenswerte Anregung gegeben, beirre Studien über die Sklaverei in Bibel und Talmud, über Josef ha-Mekanne. die verschiedenen Sammlungen seiner Predigten, durch die er eine jüdische Homiletik für Frankreich erst begründet hat. Dies alles zeigt seinen Eifer und seine Begabung, seine Liebe und Hingebung für unsere Wissenschaft, für die er als Leiter der Looiete des Et-udes juives ein Organ geschaffen hat, das seinen Namen irnd seinen Nachruhm noch fernen Geschlechtern in Dankbarkeit künden wird.