Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 9 (1906)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 7)
- Language
- German
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28 Heiligtum der Religion zu dringen und gemeint, auch in Bezug auf den eigentlichen Gottesglauben eine Verwandtschaft beziehungsweise Anlehnung Nachweisen zu können. Man darf wohl heute auch sagen, daß diese Hypothese total mißglückt ist, noch mehr wie der andere Versuch, der babylonischer! Religion neben dem allgerneinen Polytheismus einen sogenannten esoterischen Monotheismus zu vindicieren und eine Beeinflussung Israels durch diese als möglich anzudeuten. So gelangt denn Sellin, und alle ehrlichen objektiven Forscher müssen ihm zustimmen, zu der zusammenfassenden Erkenntnis, „daß, so viele Berührungspunkte kultrrreller und religiöser i?trt auch zwischen Babylon rrnd Israel existieren, so dankbar wir auch sein müssen für die unzähligen Bereicherungen unseres Wissens, die uns die babylonischen Ausgrabungen für die einzelnen Gebiete des religiösen Lebens in Israel, für seinen Kult, seine Gesetze rrnd Gebote gebracht haben, doch für die Erkenntnis der Entstehung und Entwickelrrng des innersten Wesens der israelitischen Religion nichts aber auch garnichts gewonnen ist, oder ich will nrich entgegenkommender so ausdrücken: Die babylonischen Ausgrabungen haben urrs gerade in vollem Umfange bestätigt, daß Israel ein solches spezielles, ihm von Gott gegebenes und von keinem anderen Volke, auch nicht von Babylonien herzuleitendes religiöses Besitztirnr inne hat. Daß wir nun erst recht erkennen, worin dasselbe besteht, ist vielleicht der allerhöchste Gewinn dieser Ausgrabungen." Mit diesem Resultat können wir wohl zufrieden sein und mit dem Ausrrrf des Optimisten: Gram su letauwoh uns auch mit dieser neuesten Evolution der Bibelkritik bescheiden. Sicher wird es noch eine Zeitlang dauern, bis die Resultate dieser Ausgrabungen im Orient ihre Be- und Verarbeitung gesunden haben. Die Arbeiten, die gegenwärtig auf diesem Gebiete erscheinen, stehen meist diesen neuesten Entdeckungen noch vorsichtig oder kühl gegenüber. Und mit vollem Recht! Die wertvollste Erscheinung dieses Literaturgebiets ist unstreitig die neue Ausgabe der Bibel von Rudolf Kittel, die neben dem