Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 9 (1906)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 24 (sequence 3)
- Language
- German
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‘24 Leiter bestrebt sein möchten, dies Werk nach allen Richtungen hin zu verbessern und auszubauen. Es giebt da noch viel zu tun; der Erweiterung muß eine Vertiefung folgen, die Bildungsbestrebungen bedürfen einer Konzentration; die Einzelvorträge reichere für diesen Zweck nicht mehr aus; es müssen vielmehr zyklische Darstellungen an ihre Stelle treten oder sie ergänzen, in denen ein bestimmter Wissenskreis dem Hörer so vorgeführt wird, daß sich, der Inhalt des Gehörten seinem Gedächtnis einprägt. Eine besondere Aufgabe fällt den kleinen Literaturvereinen zu, die aus eigenen Mittel:: kauur bestehen können, deren Förderung aber eine ernste Pflicht der Gesamtheit ist, da sie eine ungleich größere und ungleich schwierigere Aufgabe zu leisten haben als die großen. Gerade in unseren kleinen und kleinsten Gemeinden ist das Bedürfnis, ein Wort der Belehrung zu hören, ein tiefgehendes und erheischt dringend ausreichende Befriedigung. Welche Vorzüge aber die mündliche Belehrung vor den: geschriebenen Wort hat, das brauche ich wohl den Lesern dieses Jahrbuches nicht erst auseinander zu setzen. Ein guter Vortrag kann oft mehr nützen als ein dickes Buch, da das Gehörte sich bekanntlich viel leichter den: Gedächtnis einprägt als das Geschriebene. Das einmal geweckte Interesse sucht dann schließlich doch weitere Nahrung in den einschlägigen Schriften. Und so haben die Literaturvereine auch ein Publikum für jüdische Wissenschaft und Literatur geschaffen. Schleiermacher sagt einmal: „Sie janunern inuner, die deutschen Autoren schrieben nur für einen kleinen Kreis, ja oft nur für sich selbst untereinander. Das ist recht gut! Dadurch wird die deutsche Literatur immer mehr Geist und Charakter bekommen. Und unterdessen kann vielleicht ein Publikum entstehen." Mutatis mutandis kann man dasselbe von unserer Literatur sagen. Sie hat sich von den: Schlepptau der Rheologie befreit; sie geht aus ihrer eigenen Spur daher; sie hat viele der Mängel abgestreift, die ihr bisher anhafteten und die ihr die Achtung der nichtjüdischen Gelehrtenwelt bisher