Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 9 (1906)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 2)
- Language
- German
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sie besteheri. Es ist doch nichts kleines, daß in zweihundert Vereinen alljährlich so und so viele Borträge über jüdische Geschichte und über einzelne Fragen aus dem Gebiete der Wissenschaft des Judentums vor einem Publikuni gehalten werden, das bisher über diese Dinge so gut wie garnicht unterrichtet war; denn der Unterricht in jüdischer Geschichte in den Religionsschulen erstreckte sich doch meist lrur auf die biblische Zeit; von der Literaturgeschichte war nur gelegentlich die Rede rmd auch hier war es meist ilur die spanische Blüteperiode, die in Betracht kam. Die Literaturvereine sind die Religionsschulen für Erwachsene, oder vielmehr freie Universitäten, derer: Beruf es ist, Männerr: und Frauen Fragen ails demKreise der Wissenschaft des Judentums in faßlicher, allgemein verständlicher Darstellung näher zu bringen und sie mit dem Inhalt und dem Geist der jüdischen Geschichte zu erfüllen. Auch selbst die, welche nur ein geringes Vertrauen auf diese Institution haben, müssen doch zugeben, daß durch sie viele tailsende von Menschen mit einigen Ideen vertraut geworden sind, die ihnen bisher so ziemlich völlig fremd waren. Auch wenn sie von den Namen, Werken und Taten, die ihnen in einzelnen Vorträgen geboten wurden, nichts behalten, diese Ideen werden doch viele aus den Literaturvereinen mit nach Hause tragen: Das Judentum hat eine Zukunft. Das Judentum ist eine Religion des Geistes. Die Geschichte des Judentums berechtigt uns zum Stolz auf unsere Abstammung und verpflichtet uns zun: treuen Festhalten an unserer Gemeinschaft. Die Wissenschaft des Judentums hat einen reichen Inhalt und darf getrost neben jede andere Wissenschaft gestellt werden. Diese Ideen haben die Literaturvereine in die Massen getragen und dadurch haben sie an der Gesundung unserer Verhältnisse wesentlich mitgewirkt. Das ist ihr unstreitig historisches Verdienst, das ihnen auch der hartnäckigste Gegner nicht absprechen kann. Und in diesen: Sinne feiern wir das Jubiläum des zweihunderrsten Literaturvereins mit dem innigen Wunsche, daß diese Vereine sich überall auf der Höhe erhalten möchten, die sie gegenwärtig einnehmen, und daß ihre Führer und