Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 9 (1906)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5665
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 17)
- Language
- German
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gewiesen. Hoffentlich hat der Rekurs an den Verwaltungsgerichtshof keinen besseren Erfolg. Die Regierung, der hierin der greise Kaiser Franz Joseph mit dem herrlichsten Beispiele gerechter und vorurteilsfreier Gesinnung vorangeht, hat einen Inden, den Major Wilhelm Husserl inr 77. Jnfantrie-Regiment, zum Oberstleutnant befördert. Es zeigt sich überhaupt die Tatsache: während ixt Oesterreich der Antisemitismus viel stärker und verbreiteter ist als in Deutschland, steigen dort, ohne Schaden für die Heeres-Disziplin, zahlreiche Juden selbst zu höherer Chargen im aktiven Dienst auf und werden von Beginn an von den Offizierkorps glatt gewählt — ein neuer Beweis für unsere weiter oben gemachte Bemerkung, daß der Ausschluß der Juden aus dem preußischen Offizierkorps lediglich die Folge judenfeindlicher Gesinnung ist. Höchst erfreulich ist es, daß die Statthalterei in Krakau endlich den Milt gefunden hat, der Entführung ininderjähriger jüdischer Kinder durch die katholische Klostergeistlichkeit einen Riegel vorzuschieben. In Krakail wie in Husiatyn hat die Polizei die Herausgabe der gestohlenen Kinder von den ehrwürdigen Dieben erzwungen. Eüi beträchtlicher Fortschritt, wenn wir bedenken, daß noch vor kurzeni, bei ähnlichen Fällen, der Minister für Galizien, Pientak, den merkwürdigen Ausspruch getan hat: „Bor den Klosterpforten hört die Staatsgewalt auf." In den! nur noch durch ein sich immer inehr lockerndes Band mit Oesterreich verbundenen Ungarn haben die im Januar vollzogenen Reichstagswahlen wieder achtzehn Juden siegreich aus der Urne hervorgehen lassen — ebensoviele wie in den! vorigen Reichstage. Sie verteilen sich über alle Parteien, mit Ausnahme natürlich der reaktionär-klerikalen. Allein mcm darf aus der politischen Gleichberechtigung, die die Juden in Ungarn genießen, nicht folgern, daß die dortige Regierung ihnen günstig gesinnt sei. Vielmehr werden, obwohl der jüdische Kultus staatsrechtlich dein christlichen gleichgestellt ist, jenen! alljährlich viel geringere Summen im Staatshaushalte gewidn!et, als. ihm nach den! Zahlen-