Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 9 (1906)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5665
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
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13 ab — ein Grund mehr, daß wir mit ängstlicher Spannung der Entscheidung harren, die das Jahr 5666 diesen bringen muß. Die Erforschung des Uganda-Hochlandes durch die Abgeordneten des Zionistischen Aktionskomitees hat das Ergebnis gehabt, das jeder Kundige ihr vorhersagte: das Land ist unproduktiv und für eine jüdische Kolonisation durchaus ungeeignet. Man mußte also, Wohl oder übel, auf das ganze Uganda-Projekt verzichten. Das geschah auf dem siebenten Zionisten-Kongreß, der von: 27. Juli bis zum 2. August in Basel tagte, gegen den lärmenden Widerspruch der „Territorialsten", die sich abgesondert versammelten und innerhalb der zionistischen Partei eine eigene Organisation beabsichtigen. Die Mehrheit der Zionisten ist gewillt, sich der Kolonisation Palästinas und der Schöpfung von Arbeitsgelegenheiten, zumal des Kunftgewerbes, dort in großen: Maßstabe zu widmen. Gewiß ein sehr löbliches Beginnen, bei den: sie auf die tätige Mitwirkung auch der nichtzionistischen Kreise des westeuropäischen irnd anrerikanischen Judentums rechnen können. Es ergiebt sich hier ein gemeinsamer Boden, auf den: sich alle unsere Glaubensgenossen mit Freude und Eifer zusammenfinden werden. Leider haben wir deutsche und zumal preußische Juden nicht nrrr für rrnsere auswärtigen Glaubensbrüder, sondern für uns selbst rroch sattsam zu kämpfen. Nicht als ob Verfolgung unsere Sicherheit bedrohte: eine starke Staatsgewalt beschützt unser Leber: und Eigentum ebenso zuverlässig, wie den übrigen Bürgern. Aber eine Reihe von schweren Kränkungen wird uns zugefügt, die das feirrer organisierte Bewußtsein nicht minder schmerzen, als tätige Feindschaft. Die gesetzlich längst festgestellte Gleichberechtigung ist tatsächlich nicht vorhanden und die stillschweigende Ausschließung der Juden aus allen Arte:: vor: staatlichen und bürgerlicher: Berr:fen nimmt eine innner größere Ausdehnung an. Werden doch von Behörden und Vereine:: jetzt schon häufig „christliche" Aerzte verlangt, so daß mar: die jüdischen Aerzte so viel wie