Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 9 (1906)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5665
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
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12 ungeheuren Mehrzahl der sogenannten Gebildeten. xHu die Errichtung eines jüdischen Gotteshauses ist gar nicht zu denken. Selbst wenn die Regierung inrd die Cortesversammlung die Einwanderung der Juden in Masse guthießen, würde sie an der Feindschaft der allmächtigen Geistlichkeit und der von dieser aufgereizten Volksmenge scheitern. Und daran würden auch die edelsten Absichten und schönsten Verheißungen der einzelnen Judenfreunde nichts ändern. Uebrigens beziehen sich ja diese Verhandlungen in dein gegenwärtigen Stadium nur auf die Sephardim, lassen also die Polen, Russen und Rumänen ganz außer Acht. Die überaus schwierige Gestaltung der Auswandererfrage veranlaßte also den Hilfsverein deutscher Juden und die Großloge des Bnai-Brith-Ordens in Deutschland, eine allgemeine Beratung über diese Augelegenheit am 4. und 5. Dezernber in Frankfurt am Main zu veranstalten, an der 104 Abgeordnete aus ganz Europa teilnahmen. Es wurde dort beschlossen, ein Zentralkomitee zur Regelung der jüdischer: Auswanderung in Berlin einzusetzen, die östlichen Glaubensgenossen über deren Schwierigkeiten aufzuklären unb in erster Linie auf Besserung ihrer Verhältnisse in der Heimat, vorzüglich durch Schaffung von Arbeitsgelegenheiten, bedacht zu sein. Diese Beschlüsse sind gewiß sehr richtig, und die vortrefflichen Männer, die die Versammlung leiteten, konnten sicher zu keinen besseren Ergebnissen gelangen. Daß solche aber große Wirksamkeit haben werden, ist leider nicht zu hoffen, so lange die Verhältnisse in Rumänien und besonders in Rußland sich nicht gründlich bessern. Einstweilen ist die Auswmrderung aus diesen Ländern stärker als je zuvor, bereitet den kultivierten jüdischen Angesessenen in England, Kanada und Nordamerika schier rrnüberwindliche Schwierigkeiten und schafft die Drohung einer gewaltigen antisemitischen Bewegung, die das Judentum in diesen Ländern arg schädigen dürfte. So hängt sein Schicksal auch in den freien Staaterr des Westens von der Gestaltung der Verhältnisse in Rrrßland