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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1905-01-01 · 8 (1905) · p. Seite 246

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
8 (1905)
Article
Naemi Ehrenfest
Date
1905-01-01
Page
Seite 246 (sequence 71)
Language
German
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246 b. 18. des 5. 49. Wir haben jetzt 600 Soldaten hier, der Belagerungszustand ist ausgesprochen. Entziehst Du Dich der Strafe und gehst nach Amerika, so kann ich nicht mit Dir, denn im Okwber schlägt mir wieder die traurige Stunde, ich muß ge> baren, wo morden mir Wohltat wäre. d. 1. des 6. 49. Von Woche zu Woche hoffst Du aus eine Entscheidung und ich und alle Treuen mit Dir, aber vergebens. Mir scheint die Lage Deutschlands einem schweren Krankenlager vergleichbar, die meisten Aerzte haben es schon ausgegeben, einzelne warten aber noch aus eine Krisis. Bald soll es der 9., bald der 18. Tag sein, aber der Körper ist innerlich schon verwest, denn eine so lange Krankheit ist ein gewisser Tod. Heute, wo ich diese Briefe nochmals überlese, in denen diese ganze Zeit sich wiederspiegelt und von denen ich nur einige für euch auswähle, tritt die Erscheinung Lea Lehmanns wieder in voller Lebendigkeit vor mich hin. Ich sehe, wie der .kleine schwache Körper, von ihrem Feuergeist durchlodert, zusammenzubrechen scheint unter der Fülle der Eindrücke jener Jahre und unter den harten Lebenskämpfen, die ihr beschieden, und wie sie siegreich sich immer wieder aufrichtet. Ich höre die Worte eures Großvaters, mit denen er sie zur Besonnenheit und Mäßigung mahnt, wenn sie einmal auf einen Tag nach Breslau herüberkam, ich erinnere mich, wie oft er ihr riet, sich zu schonen und ihr ärztliche Verhaltungsmaßregeln gab — vergeblich . . . ein Weib wie sie mußte an der eignen lodernden Glut sich verzehren-:-und so geschah's .Ehre ihrem Angedenken! Hat Gott mich auserkoren, herrlichstes zu erleben? Freudentränen entquillen meinen Augen . . . Jubel ist in

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