Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 8 (1905)
- Article
- Naemi Ehrenfest
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 245 (sequence 70)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3111067-3111082-3113597--2240-3113860- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
245 hält auch noch nicht eine Ahnung davon. Ich kann Wohl sagen, daß ich mich fast steue, etwas geschehen zu sehen, denn Euer Hinsiechen ist ein doch zu trauriger Anblick. d. 20. des 3. 49. Was ich eigentlich zu Eurem Erbkaiser sagen soll, weiß ich nicht, Phantasie hätte ich wohl für einen deutschen Kaiser, für ein einiges Deutschland, aber wenn ich mir diese dem Volksgefühl hohnsprechende Soldatenwirtschaft ansehe, die nun mit einem Uebermut über ganz Deutschland sich verbreiten wird, dann verhülle ich mein Antlitz und fluche dem ersten Schritt des Vorparlaments, denn wäre es nicht würdiger, geknechtet zu bleiben, als sich jetzt auf's Neue die Ketten wieder anzulegen. Was hast Du dort uoch zu tun, entweder blutenden Herzens in den Trubel einzustimmen oder einer verhöhnten Minorität anzugehören? d. 2. des 5. 49. Diese träge, dumme Masse hat kein Verständnis für Deine Aufopferung für sie. Die Rolle des Winkelrieds zu übernehmen, wäre, wie gesagt, eine Lächerlichkeit. Es sind nicht nur keine Schweizer, es sind nicht einmal — Schwaben. Euch wird man erdrücken zwischen rohster Republik und rotem Despotismus, Euer Los ist das der Girondisten. Gewiß lachst Du über mich, vielleicht habe ich recht wie schon oft. d. 8. des 5. 49. Du fragst mich nach dem Verein der Freisinnigen und dem Rustikalverein, Du wirst chre Gräber finden, wenn Du wiederkehrst. Nicht eine Spur mehr von ihrem Dasein. Ich habe die feste, aber traurige Uebeizeugung, daß die deutsche Freiheit in Preußen ihr Grab finden wird. Das ganze Volk besteht nur aus geknechteten Knechten und Knechtenden. Sie haben keine Ahnung von dem Odem, der durch die Welt zieht.