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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1905-01-01 · 8 (1905) · p. Seite 241

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
8 (1905)
Article
Naemi Ehrenfest
Date
1905-01-01
Page
Seite 241 (sequence 66)
Language
German
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241 Davonlaufen. Verzeih diesen Sturm- und Drangbrief Deinem treuen Weibe-. d. 1. des 11. 48. Mit Jubel habe ich soeben Deinen Brief und Bericht erhalten, die mich in jeder Beziehung befriedigen. Nur das Epigramm auf Gagern werde ich weglassen, denn der Präsident ist dem größten Teile noch eine geheiligte Person und dieser Angriff eine Gotteslästerung. Daß Ihr jetzt auch das gesellige Leben ein bischen knltivirt, freut mich aufrichtig: in dieser verwünschten Politik müßtet Ihr ja zu Eisbären werden. Ich lebe wie lebendig begraben, blos Zeitungen und Journale haben sie mir mitleidig wie Hobelspühne mit in den Sarg gegeben, und ich will nicht undankbar sein, manchmal grüßt mich ein liebliches Kindeslächeln oder ein liebes Wort von Dir wie ein Lichtstrahl aus einer schöneren besseren Welt. d. 8. des 11. 48. Du fragst mich, wie mir das neue Blatt gefällt; ,ich muß mich wundern über Deine törichte Voraussetzung, die würde Deiner Partei neue Teilnahme erwerben. Zuerst diese allgemeinen pausbackigen Redensarten: „Volkssouveränität, demokratische Freiheit, Einheit, Humanität, Nationalität", die die Zeit, diese rätselhafte Phytia, in fieberhafter Ekstase ausgestoßen, und die nun jeder herrschsüchtige Priester einer Partei ansieht wie ein Orakelspruch, deutet, wie er es eben braucht. Das sind meiner bescheidenen Ansicht nach Prinzipien für ein künftiges Jahrhundert und für ein idealeres Menschengeschlecht. Jetzt muß vor allen Dingen der Boden urbar gemacht werden für solche Saat. Warum steckt Ihr Euch ein so weites, unerreichbares Ziel? Dich auf der Rechten zu sehen, würde ich für eine Schande halten, aus der äußersten Linken aber für eine Blame. Ihr unterscheidet Euch von der äußersten Linken durch nichts weiter als daß Ihr die Republik nur weniger gewaltsam anstrebt. Mein Lieber, das kann so auf die Dauer nicht bleiben. Fähige Köpfe werden bei Zeiten diesen unerträglichen Meinungsdis- 16

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