Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 8 (1905)
- Article
- Naemi Ehrenfest
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 240 (sequence 65)
- Language
- German
- Belongs to
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240 Kämpfen dieser denkwürdigen Zeit. Sie hatte es auch erreicht, ihren Mann, den sie in ihrer Begeisterung mit emportrug, in die Nationalversammlung nach Frankfurt a. M. berufen zu sehen. Einer der wenigen Juden, die dieser Auszeichnung zu teil wurden. Ihr höchster Ehrgeiz war erfüllt, aber da es ihr nicht vergönnt war, der Errungenschaften dieser Zeit teilhaftig zu werden, sie starb schon im Jahre 1850, will ich zu ihrer Charakterisierung und zu ihrem Gedächtnis einige Briese hier für euch einstigen, die sie an ihren Mann damals schrieb und die ich bewahre. Ihr gewinnt dadurch ein Bild von der teuersten Freundin eures Großvaters, der er die höchste und dankbarste Verehrung über ihr allzusrühes Grab hinaus bewahrte. Zugleich aber auch werdet ihr aus jenen Briefen eine Vorstellung gewinnen, bis zu welchem Grade geistiger und sittlicher Höhe die jüdischen Frauen sich damals schon entwickelt hatten. d. 2. des 4. 48. Geliebter Mann! Noch ganz voll von dem Eindruck, den Vogts Rede (Verweigerung eines Vertrauensvotums) auf mich gemacht hat, schreibe ich Dir diese Zeilen und bitte Dich, ihm zu sagen, daß ich ihm, dem hehren Schirmvogt deutscher Freiheit, tausend Mal die Hände küsse, und daß ich nicht begreife, wie Frankfurts Frauen nicht einen Kranz für diesen Helden haben. Da ist Kraft, da ist Leben, und die tiefe Entrüstung, wie ist sie veredelt und verklärt durch die feinste Ironie und den feinsten Humor. Aber sage mir. Einziger, besteht denn die Majorität der Versammlung aus Götzenbildern, aus Mumien? Nach einer solchen, durch das dickste Fleisch bis aus das Mark dringenden Rede gibt man dem Ministerium ein Vertrauensvotum, und die Minister sind schamlos genug, es anzunehmen. Nein, das begreife, wer kann; wenn das Politik ist, dann ist sie gleichbedeutend mit Ehr- und Schamlosigkeiten. Nein, ein Tag der Rache darf nicht fern sein, jetzt lese ich noch einmal „Ocean und Mittelmeer", jetzt ist mir erst jede Zeile, jedes Seesternchen, das er beobachtet hat, lieb und teuer, das ist mein Mann. Wie hat sich der demokratische Kongreß in Berlin blamiert und das neue Vorparlament! Es ist zum