Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 8 (1905)
- Article
- Naemi Ehrenfest
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 242 (sequence 67)
- Language
- German
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242 putismus (der Apostel der „Freiheit") abwerfen, und die Partei muß sich spalten und schwächen. Diese Statuten kann nur ein herrschsüchtiger Parteiführer entworfen und eine großenteils kopflose Herde unterschrieben haben. Daß ich Dich darunter sehe, macht mich staunen. Liegt denn das Gute nur auf einer Seite? Grade das weise Herausfinden und harmonische Verbinden aller Parteien würde ich in vielen Fällen als die einzige hohe Politik halten und gerade Ihr habt Euch diesen schönen, versöhnenden Weg abgeschnitten. d. 13. des 11. 48. Von der Aufregung, die hier herrscht, kannst Du Dir kaum einen Begriff machen! Daß ich fortwährend fiebere, ist kein Wunder, aber daß die Philister, die Stadtverordneten, sich zu einer Adresse vereinigt haben für die National-Versammlung, wird Dich wohl auch wundernehmen. Der Verein der Freisinnigen veranstaltet morgen Abend eine große Volksversammlung, da wirst Du sehr fehlen. Wenn Ihr hier nicht mächtig für die Sache des Volkes einschreitet, so seid Ihr gerichtet für ewige Zeiten, so lautet die allgemeine Stimmung. Wenn doch ein Gott Eure gelähmte Rechte elektrisierte! Wem jetzt nicht die Augen ausgehen, der ist entweder blind oder rot geboren. „Larven herunter", wird es heißen müssen, ach, jämmerliche Physiognomien werden da zum Vorschein kommen, ich möchte dazu leuchten. Nun, geliebter Freund, laß mich Kraft finden, um mit Dir von dem Schrecklichsten zu sprechen, was mich in diesen Tagen getroffen, ich meine Robert Blums Ermordung. Gestern nach 11 Uhr, die Zeitungen waren sehr spät gekommen, las ich es in der Breslauer. Ich glaubte wahnsinnig zu werden. Eine Nacht im tobendsten Fieber war die Folge. Gott, Gott und Ihr habt ihn ins Verderben gesandt. Euch trifft die Blutschuld, Ihr habt ihn zu rächen. . Jetzt weiß ich, wozu ich meine Söhne habe, ich werde sie groß ziehen für die Rache. Mit welch grauenvoller Ironie hat sich das Schicksal an dem ganzen Antrag gerächt. Wehe ihnen allen, die Vernichtung wird sie ereilen.