Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 8 (1905)
- Article
- Naemi Ehrenfest
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 226 (sequence 51)
- Language
- German
- Belongs to
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226 Ehepaares und ihrer Nachkommen werden dadurch vor Not und Sorge gesichert, so weit dies nach menschlichem Ermessen möglich ist. Wer könnte dies mißbilligen? Damals verletzte es mich, daß geschäftliche Abmachungen diesen Tag höchster Wonne und zartesten Empfindens begleiteten, und bis auf den heutigen Tag bin ich dieses Gefühl von Abneigung und falscher Empfindsamkeit nicht los geworden. Josef und Hannchen liebten sich doch . . . Verstand und Lebenserfahrung sagen mir zwingend, daß es eine salsche Sentimentalität sei, mit der ich die Sache betrachte, aber das ist stärker als ich, und daß ichs nur gestehe, ich will es nicht anders. „Die alte Garde stirbt, aber sie ergibt sich nicht" sagte ich immer, wenn jemand versuchte, in den Wall Bresche zu schießen, den ich mir errichtet hatte aus Vornehmheit, Zartgefühl, meinetwegen sogar aus Vorurteilen. Ich wollte keine Konzessionen machen, erst unbewußt vielleicht, später klar und entschieden, und ich bereue nicht, diese Gesinnung in mir vertieft zu haben. Ich bestritt nicht die Rechte anderer, nicht gewisse Notwendigkeiten mit ihren brutalen, rücksichtslosen Forderungen, aber ich lasse mir auch die meinen nicht verkümmern. Euer Großvater lächelte nachsichtig, wenn ich diese so energisch verteidigte, und ich glaube, im Grunde feiner Seele freute er sich, wenn ich in solchen Fällen immer wieder versicherte: wahrscheinlich haben die andern recht, aber ich gebe meinen Standpunkt deshalb nicht auf . . . nochmals: „Die Garde stirbt, aber sie ergibt sich nicht." Ich hatte aber auch das Glück, aus reiner Herzensneigung mich verheiraten zu können. Und später, als meine Söhne den Bund der Ehe eingingen, Wilhelm, mein herrlicher Sohn, meine Esther, und Ludwig, mein herrlicher Sohn, meine Ruth, da hielt euer Großvater mir alles fern, was meinem leicht verletzlichen Sinn hätte peinlich sein können. Es ist vielleicht kindisch von mir, mein Auge den Tatsachen, die unerläßlich sind, zu verschließen, aber ich hätschelte diese Schwäche und meine Umgebung unterstützte mich darin. — Kindisch?! War ich es damals nicht, als ich weinte und mir die Freude an meines Bruders Hochzeit verbitterte, weil dieser in des Vaters Gemach die Mitgift seiner künftigen Frau sich aufzählen ließ. Glücklicherweise konnte ich mich nicht lange solchen