Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 8 (1905)
- Article
- Naemi Ehrenfest
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 219 (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
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219 Josef Sinsheimer ein so feines und wohlerzogenes Mädchen wie Hannchen verdiene. Kurz, eine allgemeine Zufriedenheit gab dieser Heirat eine besondere Weihe, und was vielleicht verstohlen an Neid und Mißgunst sich regte, wagte sich nicht an das Licht. Neid und Mißgunst! Wo schlummern sie ganz? Und doch sind sie die ärgsten Feinde menschlichen Glückes. Vielleicht nicht so sehr für den, gegen den sie sich regen, als für die, die sie empfinden! ... So hatten sie auch der Freudigkeit, die bei uns herrschte, der Glückseligkeit der Brautleute nichts an, und in erwartungsvoll gehobener Stimmung ging man der gesegneten Stunde entgegen, die die Liebenden vereinen sollte. Die Liebenden! Nur schüchtern versuchte man sich dies vorzustellen . . . wir jüngern nur. Die Jünglinge und Jungfrauen aus dem Kreise . . . alle dachten und empfanden es, keiner wagte es auszusprechen und mit einer gewissen Scheu beobachtete man alle für die heilige Handlung getroffenen Vorkehrungen. Die christliche Kirche nennt die Eheschließung ein Sakrament . . . mit welchen Heiligkeitsschauern, mit welch ritual-symbolischen Handlungen wurde sie im Judenhause von einst gefeiert! Die späte Nachmirtagsstunde des Freitags, kurz vor Sabbateingang, wurde nach damaligem Brauch für die Trauungszeremonie bestimmt. Die Stunde, in der auch der Sabbat als Braut begrüßt wird, von der frommen Gemeinde. Lecko daudi likras kallo ... Es grüßt dich usw. Die Sabbatnacht vereint das Paar zum ersten Male. Bis zu diesem Höhepunkt gab es die ganze Woche hindurch Festmahlzeiten in beiden Familien. Viele Gäste waren von auswärts gekommen. Sehr vornehme und ausgezeichnete und etwas stand bevor, was die ganze Gemeinde in die höchste Aufregung versetzte. Man erwartete Rabbi Akiba Eger aus Posen, der die Trauung seiner Enkelin selbst vollziehen wollte. Ihr würdet lächeln, wenn ich euch erzählen wollte, welche Bedeutung das damals hatte. Das moderne Leben kennt diesen Kultus gar nicht, wenn er sich einzig auf Gottesgelehrtheit und Frömmigkeit stützt; der Heroenkultus unserer Tage hat durch Eisen und Blut seine Prägung erhalten. Daß einem alten, frommen, gelehrten Manne eine solche Verehrung zuteil werden kann, daß er mit solchen fanatischen Huldigungen ausgezeichnet