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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1905-01-01 · 8 (1905) · p. Seite 218

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
8 (1905)
Article
Naemi Ehrenfest
Date
1905-01-01
Page
Seite 218 (sequence 43)
Language
German
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218 keine bestimmte Antwort wußte und mich auch nicht zu fragen getraute, so sagte ich mir doch eins, halb in Wehmut, halb in Lust: etwas Herrliches ist es, etwas Wunderbares, und mein unklares Fühlen gewann Gestalt, und trug die- Züge von Michael Ehrenfest und war erfüllt von seines Wesens Art ... So ist die Liebe! So sind Josef und Hannchen . . . so sind junge, beglückte Menschenkinder! Dabei lag es in der Zeit und Erziehung, daß nicht wie heut sich das laut und jubelnd ankündigte. Selbstbewußt ... verlangend und gewährend, in äußerlichen Zärtlichkeiten und anmutendem Reiz eines Brautstandes. Scheu, verlegen, zurückhaltend waren die Brautleute, in steter Obhut und Beobachtung der Verwandten. Kaum, daß sie sich je auf Augenblicke allein sahen, kaum daß sie sich verstohlen einer Liebkosung erfreuten. Immer war jemand zur Stelle, der aus Form und Sitte streng achtete, und mehr innerlich, in heimlichen Gluten, ein still gehütetes, verschwiegenes Liebesleben war es, was man der damaligen Jugend gönnte. Selbst die Brautwerbung ging vom Vater aus, nachdem alle äußerlichen Verhältnisse geregelt waren, und großes Aussehen machte es damals, daß man Josef und Hannchen sofort einen eigenen Hausstand begründete, und sie nicht, wie dies noch vielfach üblich war, erst einige Jahre im Hause der Schwiegereltern „Kost" essen mußten. Ein hübsches Heim richtete man ihnen ein in einem an der Ecke der Ohlauerstraße und dem Ring gelegenen Hause. Die Schilderung der Hochzeitsfestlichkeiten will ich euch aber heut geben, damit ihr ein Bild habt, wie in jenen Zeiten so frohe Ereignisse gefeiert wurden. V;* In den Tagen, die der Hochzeit vorhergingen, gab es eine freudige Geschäftigkeit in den Elternhäusern von Braut und Bräutigam und selbst in den der verwandten, befreundeten Familien. Ueberall wurden Vorbereitungen getroffen. Man rüstete die Festgewänder, man besprach eifrig alle auf diese Verbindung bezüglichen Fragen. Man erörterte, ob mein Bruder Josef oder Hannchen Schiff die bessere Partie mache, und kam endlich zu dem Schluß, daß sowohl die Familien Sinsheimer, wie die Wolf Schiffs einander ebenbürtig seien und daß ein so ausgezeichneter Mensch, wie

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