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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1905-01-01 · 8 (1905) · p. Seite 217

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
8 (1905)
Article
Naemi Ehrenfest
Date
1905-01-01
Page
Seite 217 (sequence 42)
Language
German
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217 Vom Glanze dieses Festes, das die modernen Juden ausstatten mit einem Prunk, dessen blendendes Licht verklärt wird durch die großen Akte der Wohltätigkeit, mit der die Familie deines Gatten diesen Tag feierte und segnete, wende ich mich mit Rührung zu jener Zeit zurück, in der die jüdische Hochzeit nach altem Brauch gefeiert wurde. Das moderne Leben lebt ihr, das vergangene will ich euch überliefern! Geleitet mich denn zur Hochzeit meines Bruders Josef. Ein Festtag war es in der Gemeinde, als Josef Ehrenfest Hannchen, die zweitälteste Tochter Wolf Schiffs, unter die,„01inxx6" führte. So heißt der Trauhimmel in der Sprache unserer Väter, der Trauhimmel, der sich neulich auch über deinem Haupte wölbte. Schon in der Woche, die dem Hochzeitstag vorherging, machte eine freudige Aufregung in den Kreisen der Beteiligten sich bemerkbar. Und nicht nur dort. Das Ansehen und die Stellung der Familien, denen der Bräutigam zugehörte, ließ diese Hochzeit als ein Ereignis in der „Khille“ gelten. Onkel Wolfs Wohltätigkeitssinn, seine Gemeinnützigkeit und sein joviales Wesen machten ihn zu einer beliebten Persönlichkeit. Die edle Herkunft seiner frommen Gattin, der Tochter Rabbi Akiba Egers, die prächtigen, energischen und strebsamen Söhne, die lieblichen Töchter gaben dem Hause eine besondere Würde. Vater und Mutter waren stolz, mein älterer Bruder und seine Verwandtschaft außerordentlich befriedigt von der neuen Verwandtschaft, und Josef war verliebt. Ich folgte bebenden Herzens und in erwartungsvoller Erregung allen diesen Vorgängen. Josef war verliebt . . . liebte und wurde wiedergeliebt. Zwei junge Herzen schlugen für einander, neigten sich zu einander, sehnten sich und begehrten sich, und dann sollte ein Tag kommen, wo sie für immer sich angehören würden . . . unter dem Jubel der Angehörigen, mit ihrer Zubilligung, gesegnet von ihnen und ausgestattet fiirs Leben . . . und dann würden Josef und Hannchen immer zusammen sein, immer — siedend heiß zog es durch meinen Körper, flammendes Licht ergoß sich in meine Seele und im ahnungsvollen Herzen erstanden die Mysterien der Liebe. Was war es nur, fragte ich mich in schlummerlosen Nächten, was war es nur? Und wenn ich mir auch

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