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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1905-01-01 · 8 (1905) · p. Seite 213

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
8 (1905)
Article
Naemi Ehrenfest
Date
1905-01-01
Page
Seite 213 (sequence 38)
Language
German
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— 213 — man in diesen Zeiten höchster Unruhen und Ungewißheiten einer Verlorenen nicht nachspüren konnte und ein Menschenleben nicht viel galt, blieb-Esther Ehrenfest geb. Manuel verschollen, und auch von ihrem Manne Chajim hörte man nie wieder etwas. Nur einige Jahre später, als von den Helden- und Siegestaten der Befreiungskriege noch überall stolze und frohe Mähr erklang, wurde auch die merkwürdige Kunde von einer jüdischen Frau bekannt, die als Mann verkleidet, im Jahre 1813 Kriegsdienste genommen hat und in einem Ulanenregiment die Feldzüge von 1813 und 1814 mitgemacht hatte. Erst als Freiwilliger, später als Feldwebel zeichnete sie sich durch große Tapferkeit aus, wurde zweimal verwundet und erhielt durch den Grafen von Dennewitz, in dessen Armeekorps sie stand, das eiserne Kreuz. Diese Frau hieß Louise Grafemus, sie war ausgezogen, um sich mit ihrem, das Heer als Marketender begleitenden Manne zu vereinen, und fiel in einem Gefecht bei Paris. Selig Freudenberg brachte diese Nachricht aus Posen, wo er im Proviantamt öfter zu tun hatte, und bei ihm und seiner Frau stand es fest, daß diese Louise Grafemus keine andere sei als Esther Ehrenfest . . . Esther Manuel! Und wenn sie ihre Söhne Gabriel und Uriel mit dem kleinen, völlig verwaisten Michael zusammen spielen sah, dann war es ihr, als ob die drei Erzengel in ihrem Hause sich vereint hätten und sie gedachte der letzten Worte, die sie aus dem Munde der unglücklichen Frau vernommen hatte: „Zu meiner Linken Gabriel, zu meiner Rechten Michael und zu meinen Häupten Uriel." Ueber das Haus von Selig Freudenberg ergoß sich reicher Segen. In den Zeiten des Aufschwungs, die den glorreichen Tagen der Befreiungskriege folgten, gelangten sie zu großem Wohlstand und Ansehen. Selig hatte schon während des Krieges Getreidelieserungen für die Armee übernommen und sie zu voller Zufriedenheit ausgeführt; nach Beendigung der Feldzüge gab er die Pachtung der Hebestelle ganz auf und zog nach Lissa, um seinen Kindern Unterricht erteilen lassen zu können, was dort in der Mauth auf der Landstraße nicht möglich war. Ueberall regte sich ein neuer Geist unter den bedrückten Juden. Seit ihre Söhne mit ihrem Blut die Treue zum Vaterland besiegelt hatten, hofften sie auch, daß die konfessionellen Unter-

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