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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1905-01-01 · 8 (1905) · p. Seite 209

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
8 (1905)
Article
Naemi Ehrenfest
Date
1905-01-01
Page
Seite 209 (sequence 34)
Language
German
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209 Chajirn Ehrenfests Weinschank und es bildete sich nach und nach eine Art Ausspannung dort, die sicherlich ganz einträglich war und es dem Chajim ermöglichte, einen Hausstand zu begründen. So verehelichte er sich im Jahre 1809 mit Esther Manuel, einem starken, kräftigen Mädchen, wie solche unter den Jüdinnen damaliger Zeit öfter anzutreffen waren. Für sein Geschäft und seinen Hausstand erwies sich das von großem Nutzen. Es gehörte ein resolutes Wesen und ein sicheres Auge dazu, um mit diesen Gästen der Landstraße auszukommen, und sie in Ordnung zu halten. Wie oft bedurfte es neben guten Zuspruchs handgreiflicher Einmischung, um Trunkenbolde, Landstreicher und allerhand Gesindel in Zaum zu halten, die außer den Fuhrleuten die Schänke aufsuchten. Aber Esther Manuel verstand es, diese Leute zu behandeln und oft soll ein Blick von ihr genügt haben, um auch die rabiatesten und rohesten Gesellen zu bändigen. Jedenfalls galt sie als eine Frau von besonderen Charaktereigenschaften, und was Michael später von seiner Mutter hörte, war eine Anerkennung eigentümlicher Fähigkeiten, die aber wohl auch den Grund ihres romantischen Lebensschicksals bildeten. Im Jahre 1811 wurde dem Ehepaar Chajim Ehrenfest und seiner Gattin Esther geb. Manuel ein Sohn geboren, der den Namen Michael erhielt. Keinerlei Freundschaft und Verwandtschaft, wie das sonst, selbst in den ärmsten Judenfamilien üblich ist, nahm teil an dem Ereignis, das sieb in der einsam gelegenen Schänke an der Landstraße abspielte. Chajim Ehrenfest war ein Fremdling in der Gemeinde, der nur an hohen Feiertagen „in Schul" nach Kempen kam und dort in der Synagoge unter den letzten und ärmsten seinen Platz einnahm. Von der Herkunft seiner Frau wußte man noch weniger. Es hieß, sie sei aus Westfalen gebürtig, mit wandernden Juden nach Kempen gekommen und Chajim habe sie bei dieser Gelegenheit in seiner Schänke, wo sie Rast machten, gesehen und rasch entschlossen sie zu seiner Gefährtin gemacht. Um diese Ehe wob jedenfalls die Romantik ihre bunten Fäden und umspann sie mit einem dichten, eigentümlichen Netz außergewöhnlicher Begebenheiten. Bei der Geburt Michaels war nur die Dorfhebeamme zugegen und eine freundwillige Nachbarin, aus dem eine 14

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