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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1905-01-01 · 8 (1905) · p. Seite 200

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
8 (1905)
Article
Naemi Ehrenfest
Date
1905-01-01
Page
Seite 200 (sequence 25)
Language
German
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200 Lehrsätze sich begeisterten und sie zum Dogma, zum Gesetz ihrer eigenen Weltauffassung machten. Ein Name ist mir im Gedächtnis geblieben, den sie oft mit Stolz nannten, als den eines jüdischen Kantianers von hervorragender Bedeutung: Lazarus Bendavid ... ich weiß nicht, was er geleistet hat für die Wissenschaft, aber unvergeßlich bleibt mir, wie dankbar und hochgemutet von der damaligen jüdischen Jugend alles ausgenommen wurde, was als ein Anzeichen galt, daß die Juden sich regen und betätigen, und aus der Nacht des Elends und des geistigen, moralischen Druckes den Blick aufwärts wenden dursten nach jenen lichten Höhen, zu denen in nie geahnter Herrlichkeit das deutsche Geistesleben sich ausgipfelte. Die Widmungsworte dieses Buches aber lauteten: „Israel war und ist das ausgezeichnetste Volk der Erde; in seinem Ursprung und Fortleben bis auf den heutigen Tag, in seinem Glück und Unglück, in Fehlern und Vorzügen, in seiner Niedrigkeit und Hoheit, so einzig, so sonderbar, daß ich die Geschichte, die Art, die Existenz dieses Volkes für den ausgemachtesten Beweis der Wunder und Schriften halte, die wir von ihm haben und wissen. So etwas läßt sich nicht erdichten, solche Geschichte, mit allem, was daran hängt und davon abhängt, kurz, ein solches Volk läßt sich nicht erlügen. Seine noch unvollendete Führung ist das größte Poem der Zeiten und geht wahrscheinlich bis zur Entwicklung des letzten, noch unberührten Knotens aller Erdennationen hinaus . . . Dieses sonderbarste Volk hat die sonderbarsten Bücher. Ein Volk dessen Religion und Geschichte ganz von Gott abhängt, hat auch Bücher derart des Geistes. Jene Dinge aus diesen, diese aus jenen entstanden und alles ist im Grunde nur eins. Ein Gepräge, ein Charakter, eine Beurkundung aller Zeiten, ihr Name ist das Volk Gottes ..." Der Dichter, der das geschrieben hat, heißt Herder, sagte mein Bruder zu mir, merke dir das, Naemi, er ist einer von denen, die neben Lessing, Göthe und Schiller stehen, deren Werke du jetzt lesen wirst ... es war etwas feierliches in seinem Ton . . . Es ist der Mann, der gesagt hat: „Die Humanität ist die verschlossene Knospe der wahren Gestalt der Menschheit" fügte sein neben ihn stehender Freund hinzu. Dieser Freund hieß: Michael Ehrenfest.

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