Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 8 (1905)
- Article
- Naemi Ehrenfest
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 190 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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190 Frankreich hat bereits erwiesen, daß die Juden des Staates, der sie in seinen Schoß ausgenommen, durch strenge Anhänglichkeit würdig geworden. Die jungen Männer jüdischen Glaubens sind die Waffengefährten ihrer christlichen Mitbürger gewesen und haben auch unter ihnen Beispiele des wahren Heldenmutes und der rühmlichsten Verachtung der Kriegsgefahren aufzuweisen, sowie die übrigen jüdischen Einwohner, namentlich die Frauen, in Aufopferung jeder Art den Christen sich anschlossen." In diesem Jahre hatten meine Eltern auch die große Freude, daß ihr ältester Sohn David sich mit der Tochter des sehr angesehenen und wohlhabenden Kaufmanns Elieser Freund in Breslau verheiratete. Das war vier Jahre vor meiner Geburt und mein Bruder damals 22 Jahre alt. Es war die erste Etappe zu unserer nachmaligen Einwanderung in Schlesien. Ich möchte an dieser Stelle gleich von den meinen Eltern erhalten gebliebenen Kindern berichten, daß ein Sohn Samuel, zur Zeit 16 jährig, fast gleichzeitig nach Breslau kam, um unter der Obhut seines älteren Bruders und im Schutze von dessen Familienkreis seine Studien, sowohl talmudistische wie akademische zu machen. Ein dritter Sohn, Maier Josua, der im Jahre 1800 geboren wurde und dessen Gevatter Meyer Anschel Rothschild war, kam 15 Jahr alt nach London in ein sehr bedeutendes überseeisches Geschäft, auf Empfehlung von Salomon Rothschild, dem damaligen Leiter des Frankfurter Hauses. Maier Josua wurde nachmals Mitbegründer der bekannten Textilfabriken Sinzheimer, Brightman L Co. in Bradfort. Endlich der jüngste, Josef, der 1812 geboren wurde und 7 Jahr alt war, als ich das Licht der Welt erblickte. Mein Geburtsjahr 1819 war voller Beunruhigungen für das Geschäftsleben, und besonders für die Frankfurter Juden verhängnisvoll. Schon in den letzten beiden Jahren bereitete man ihnen allerhand Schwierigkeiten und es regten sich,, die im Freudentaumel von Sieg und Befreiung niedergehaltenen Verhetzungen und Ungerechtigkeiten gegen sie aufs neue. Zu rasch schien, vergessen, welchen Anteil sie gehabt an den gewaltigen patriotischen Kundgebungen der Befreiungsjahre, und Neid und Bosheit erhoben gierig ihre Häupter und schürten schlimmen Judenhaß. Mein Vater