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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1905-01-01 · 8 (1905) · p. Seite 188

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
8 (1905)
Article
Naemi Ehrenfest
Date
1905-01-01
Page
Seite 188 (sequence 13)
Language
German
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188 Schon warfen die traurigen Kriegsereignisse, die bald darauf die Welt in Brand setzten, ihre Schatten voraus. Die französischen Kriegskontributionen,, die überall erhoben wurden, lasteten schwer auf den Staatssäckeln der Landesfürsten, schwerer noch auf dem Volke, das zu Abgaben gezwungen war, die alles weit überstiegen, was die Armen aufbringen konnten. Und immer wieder war es der Kurfürst, an den man mit oder ohne Rothschilds Mithilfe heranzukommen versuchte. Daß die intelligenteren und geschäftskundigen Juden der Frankfurter Judengasse diese Vorgänge mit ungeheurer Anteilnahme verfolgten, erscheint nur selbstverständlich. Mein Vater gehörte zu ihnen, und er war es, der 1807 bei einem preußischen Anleiheversuche seine Hand im Spiele hatte und wenn auch nur in vollständigstem Jncognito jene Verhandlungen führte, die damals, von Frankfurt aus angeregt, von London in Szene gesetzt wurden. Wäre diese Anleihe zustande gekommen, so wäre mein Vater aus der unscheinbaren, wenn auch sehr wichtigen Stellung des Vertrauensmannes wohl mit einem Male in den Vordergrund gerückt und hätte sicherlich auch ein Vermögen erworben, das ihn aus der nach außen ganz untergeordneten Stellung eines Vermittlers emporgehoben hätte. Aber dieses Geschäft kam nicht zustande. Die. Landesschulden Preußens waren sehr groß, das Mißtrauen nach Jena unendlich gewachsen, und Vorsicht dem Kurfürsten gegenüber sehr geboten, sodaß Meyer Anschel bei diesen Versuchen selbst möglichst hinter den Kulissen blieb. Offenbar trat später zunächst ein Rückgang in allen diesen Finanzoperationen ein, und mit dem Eintritt der Söhne in die väterliche Firma, lockerten sich auch die Beziehungen, in denen mein Vater zum alten Rothschild stand. Das verwandtschaftliche Wohlwollen, das Meyer Anschel ihm erwiesen, blieb zwar noch bestehen, aber die geschäftlichen Dispositionen des Hauses unterstanden doch vielfach den Söhnen und so verärgerte sich die Situation und das patriarchalische Verhältnis, in dem der Begründer des Welthauses zu denen gestanden hatte, die in irgend einer Form ihm attachiert waren, hörte auf. Mein Vater machte nun kleine Geldgeschäfte auf eigene Faust und seine Unternehmungen glückten und hätten ihn

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