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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1905-01-01 · 8 (1905) · p. Seite 186

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
8 (1905)
Article
Naemi Ehrenfest
Date
1905-01-01
Page
Seite 186 (sequence 11)
Language
German
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186 diesen Ereignissen hinüberführt zu dem modernen Judentum, dem wir heute angehören. Alles aber wurzelt in demselben Boden einer Vergangenheit, reich an starkem Familiensinn, reich an Kämpfen und reich an Errungenschaften. Infolge der durch meine Mutter mit den Rothschilds bestehenden Verwandtschaft war Meyer Anschel auf meinen Vater aufmerksam geworden und er zog ihn zu geschäftlichen Handhabungen hie und da heran. So hatte er ihn im Jahre 1802 einmal nach Altona zu dem Bankier Lawaetz gesandt, um über eine Anleihe für den dänischen Hof ihm Mitteilungen zugehen zu lassen, die er wohl durch einen zuverlässigen Mann mündlich zu bestellen für richtiger ansah. Und im Jahre 1806 reiste mein Vater in besonderem Aufträge für ihn nach London zu seinem Sohne Nathan, der damals schon als eine der hervorragendsten Finanzkapazitäten in England galt, und die Operationen, deren intellektueller Urheber sein Vater war, mit außerordentlicher Ueberlegenheit und Klugheit ausführte. Das war zu jener Zeit, als der Kurfürst sein Land verlassen mußte, und seinen Staatsschatz seinem damaligen Oberhofagenten Rothschild übergab, zur Sicherheit und Verwaltung. Dieses Geld schickte Meyer Anschel an seinen Sohn Nathan nach London, da er es in Frankfurt nicht fü^ genug sicher hielt, und obwohl die Sendung der großen Summe von 600 000 Pfd. Lstrl. durch die Post erfolgte, so reiste mein Vater gleichzeitig dahin, um sich persönlich im Aufträge Meyer Anschels über den erfolgten Eingang der Kapitalien zu versichern. Wenn ich bei diesen Einzelheiten etwas länger verweile, so geschieht es, weil ich glaube, daß es nicht ohne Einfluß auf unser späteres Leben und die Entwicklung unserer Familie geblieben ist, daß sie im Zusammenhang mit jenen, moralisch ganz einwandsfreien, geistig hochbegabten, machtvollen Geldfürsten stand, die meiner Vaterstadt Frankfurt, als einer Veste des Großkapitals eine dauernde Bedeutung gaben. Für die Frankfurter Juden hatte Meyer Anschel Rothschild einen ganz besonderen Wert, nicht nur weil er reich war, sondern weil er das Vertrauen genoß, das nur Intelligenz, Korrektheit und Zuverlässigkeit vereint zu erringen vermögen, und diese Eigenschaften bei den Juden, denen jegliche Bildung und sogar die deutsche Sprache noch

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