Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 8 (1905)
- Article
- Unsere Großmütter
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 163 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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163 milde Resignation, das Gemütliche, die fromme Innigkeit und Innerlichkeit. Diese jüdisch - deutsche Literatur gemahnt an die jüdische Frau früherer Zeiten, auf die der Vers angewandt wurde: „Alle Herrlichkeit der Königstochter ist im Innern." Diesen jüdisch-deutschen Büchern ist es zum Teil wenigstens zuzuschreiben, wenn die häuslichen Tugenden, wenn Pietät, Familiensinn, fromme Sitte, Mildtätigkeit und Wohltätigkeit im jüdischen Hause herrschten." Soweit Grünbaum. Lassen Sie mich nun noch einer anderen Lektüre gedenken, die auf alle diese hier genannten Tugenden, hauptsächlich aber aus die Richtigstellung der Begriffe von Frömmigkeit, noch größeren, wohltätigeren, tiefergehenden Einfluß übte. Ich meine die in das Gebetbuch aufgenommenen „Sprüche der Väter". An jedem Sabbath in den langen Sommernachmittagen wurden sie abschnittweise von den damaligen Frauen nach dem Minchagebete, wie es Vorschrift ist, mit Ruhe und Muße gelesen. Die Sprüche der Väter! Was ist nicht alles in diesen Sprüchen enthalten? Es ist der Geist des Judentums, der hier in konzentrierter und doch allgemein verständlicher Form vorliegt, es ist der zusammengefaßte Goldgehalt, der in dem unermeßlichen Schrifttum zerstreut ist, es sind die köstlichsten Perlen aus demselben, die hier zu einer Kette zusämmengereiht sind, mit der das Volk sich schmücken sollte. Und es hat sich damit geschmückt; denn jedermann war sie zugänglich gemacht, jedermann besaß sie in seinem Gebetbuche. Es ist eine religiöse Spruchweisheit, wie sie nur das Judentum aufzuweisen hat. Eine Frau, welche diese Schätze von religiöser Weisheit, wie von Lebensweisheit sich zu eigen gemacht, hat gründlich gelernt, worauf es im Punkte der Frömmigkeit am meisten ankommt. Das dort ausgestellte Ideal geht ihr in Fleisch und Blut über. Sie verbindet mit dem Worte „fromm" alles Große, Gute und Edle, wozu die jüdische Religion erzieht. Sie glaubt nicht, durch das bloße Halten der Gebräuche schon eine Ideal-Fromme zu sein. Das gute Herz, die vornehme Gesinnung, das edle Handeln, die stommen Werke, das galt ihr, wie sie es aus den Sprüchen lernte, für Frömmigkeit, und danach richtete sie ihr Leben ein. Gewiß, 11*