Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 8 (1905)
- Article
- Unsere Großmütter
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 160 (sequence 2)
- Language
- German
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160 endlos. Unter den vielen sei nur an den langjährigen Stadtverordnetenvorsteher Straßmann erinnert, unter dem Berlin aus einer preußischen Hauptstadt zur Reichshauptstadt sich entwickeln mußte: an Laster, der an der deutschen Reichsverfassung die Fundamente hat legen helfen. Ferner sei an die stattliche Reihe hervorragender Mediziner erinnert, deren Namen in der Geschichte der Medizin für immer verzeichnet bleiben werden. Ebenso verhält es sich mit den anderen Wissenschaften. Auf jüdischem Gebiete seien Grätz, Lazarus, Joel genannt. Auch viele Journalisten, Humoristen, Schriftsteller und Dichter waren Posener Abstammung, von denen ich Ihnen nur Aron Bernstein nenne, den unermüdlichen Journalisten, der zugleich Naturforscher, Schriftsteller und Dichter war, aus dessen Erzählungen wir noch später zurückkommen werden. An diesen wenigen Beispielen, die man noch lange fortsetzen könnte, besonders mit den zahlreichen aus wirtschaftlichen, kaufmännischen und gewerblichen Gebieten hervorragenden Männern wollen wir uns genügen lassen. All diesen Männern kann niemand den Ruhm absprechen, unter den führenden Geistern an den großen Aufgaben mitgearbeitet zu haben, welche in der zweiten Hälfte des verflossenen Jahrhunderts dem preußischen Staate und vor allem der Hauptstadt zufielen- Wird es schon mit Recht als eines der größten Wunder betrachtet, daß die Juden alle Leiden ihrer endlosen Jammergeschichte überhaupt überdauert haben, so ist doch das Wunder noch größer, daß sie gleich im Augenblicke ihrer Befreiung, aus dem Ghetto reif für die Frecheit dastanden. Nicht ein Sklave, dessen Kette bricht, nein, ein freier Bürger, heimisch in der himmlichen Luft der Freiheit, die er aus seinem göttlichen Buche geschöpft hatte, atmete er nun die Lust der irdischen Freiheit. Durstig sog er sie ein. Mit jugendlichem Feuereifer, als wäre er auf einmal fertig und neu aus der Harch seines Schöpfers hervorgegangen, griff er mit fleißiger, gewerbstätigerHand überall im neugewonnenen, deutschen Vaterlande an. Bald wurde auch die bürgerliche Gleichstellung angestrebt undnach heißen Kämpfen, die in jedem der vielen deutschen Vaterländer von damals extra gekämpft werden mußten, auch errungen. Schon vorher begannen die Kinder der Juden Schulen und Hörsäle zu füllen. Damit wurde der.Welt ge-