Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 8 (1905)
- Article
- Unsere Großmütter
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 159 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Infm HrrohmüLLer. Von Ko Me Herles. ^^is zur zweiten Teilung Polens im Jahre 1793 gab es im Königreich Preußen außer in Schlesien nur wenig Juden. Erst mit der neu erworbenen Provinz Posen kam eine sehr beträchtliche Anzahl Juden nach Preußen. Diese brauchten nicht lange, um germanisiert zu werden; denn es waren lauter ehemalige Deutsche, die vor den in Deutschland damals nie endenden Verfolgungen nach Polen geflüchtet waren. Sie hatten sich im fernen Osten auch ihre deutsche Sprache bewahrt, die sie nun wieder, wenn auch in veralteter Form erstarrt und mit allerlei slavischen und hebräischen Worten vermischt, als Jargon nach Deutschland zurückbrachten. Schon die zweite Generation verwandelte den Jargon in Hochdeutsch, und die Juden waren es von Anfang an, welche in der Provinz Posen das Deutschtum vertraten. Sie erleichterten der Regierung ganz außerordentlich die Germanisierung der Provinz, und sie sind bis auf deu heutigen Tag die Träger des Deutschtums in Posen geblieben. Von der Stadt und Provinz Posen aus ging der Strom der jüdischen Bevölkerung nach den größeren Städten der anderen preußischen Provinzen, am meisten nach der Hauptstadt Berlin, und man kann wohl sagen, daß ein großer Teil der in der jüdischen Gemeinde Berlin auf allen Gebieten zu Bedeutung gelangten Persönlichkeiten mit einem Tropfen slavischen Oeles gesalbt war. Es ist kaum nötig, hier Namen zu nennen, die Reihe derselben wäre * Vortrag, gehalten im Verein für jüdische Geschichte und Literatur in Königsberg am 24. Febr. 1904.