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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1905-01-01 · 8 (1905) · p. Seite 151

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
8 (1905)
Article
Immanuel Kant in seinen Beziehungen zum Judentum
Date
1905-01-01
Page
Seite 151 (sequence 28)
Language
German
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151 Die letzten zwei Zeilen in diesem Briefe Mendelssohns beweisen, daß dieser, als Kant mit seinen bedeutenden kritischen, die Philosophie von Grund aus umgestaltenden Werken auftrat, bereits seinen philosophischen Standpunkt so gefestigt hatte, daß er, ein begeisterter Anhänger des Leibnitz- Wolffschen Systems, nicht mehr imstande war, zur neuen Lehre sich zu bekehren. Schon 1770, als der „Philosoph der Zukunst" mit seiner bereits oben genannten Schrift: „Ueber Form und Prinzipien der sinnlichen und intelligibelen Welt" debütierte — worin die Grundzüge des kritischen Systems in großen Zügen enthalten sind — seine Stelle als ordentlicher Professor der Logik und Metaphysik in Königsberg antrat, mußte Mendelssohn zu der Ueberzeugung gelangen, daß sein Freund in Königsberg ein „Allzermalmer" sei, der mit der dogmatischen Philosophie kurzen Prozeß machen wolle. Dieses erkennt man auch aus dem Briefe, den Mendelssohn am 23. Dezember 1770 an Kant richtete und worin bei aller Anerkennung der Geistesgaben des Verfassers dennoch bereits gegen manche Anführungen desselben Stellung genommen wird. Aber immer entschuldigt sich Mendelssohn, daß er nur deshalb so unumwunden seine Einwendungen vorbringe, weil er wisse, daß ein Geist wie Kant selbst die schärfsten Bedenken gegen seine philosophischen Ansichten mit Wohlwollen aufnehme. „Uebrigens würde ich mich nicht erkühnt haben/' so sagt er unter anderem, „Ew. Hochedelgeb. Schrift mit solcher Freimütigkeit zu beurteilen, wenn mir nicht Herr M. Herz Ihre wahre philosophische Gemütsart zu erkennen und die Versicherung gegeben hätte, daß Sie weit entfernt sind, eine solche Offenherzigkeit übel zu nehmen. So selten diese Charaktere unter den Nachtretern sind, so pflegen sie doch mehrenteils ein Unterscheidungszeichen der selbstdenkenden Köpfe zu sein. Wer. selbst erfahren hat, wie schwer es ist, die Wahrheit zu finden und sich davon zu überzeugen, der ist allezeit tolerant gegen diejenigen, die anders denken. Ich habe die Ehre rc. Moses Mendelssohn". Als die „Kritik der reinen Vernunft" erschien, war Mendelssohn bereits zu alt und zu steif, um an einer solchen

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