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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1905-01-01 · 8 (1905) · p. Seite 150

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
8 (1905)
Article
Immanuel Kant in seinen Beziehungen zum Judentum
Date
1905-01-01
Page
Seite 150 (sequence 27)
Language
German
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150 drücken kann von der ihrigen absondern, welches endlich die Menschen in Ansehung der wesentlichen Religionspunkte vereinigen müsse; denn alle das Gewissen belästigende Religionssätze kommen uns von der Geschichte, wenn man den Glauben an deren Wert zur Bedingung der Seligkeit macht." Kant bewunderte „Jerusalem", wie der Philosoph Friedrich Jacobi berichtet, „wie ein unwiderlegbares Buch"*). So manche Freunde Mendelssohns waren auch die Freunde Kants, und unter diesen nimmt namentlich der von den beiden geliebte und verehrte Markus Herz den ersten Platz ein. Da der Verfasser des „Phädon", der „Morgenstunden" und von „Jerusalem" wußte, daß er mit Nachrichten über Herz dem Alten in Königsberg eine Freude bereite, unterließ er es nicht, seinen Briefen Mitteilungen über den Schüler Kants einfließen zu lassen. Besonders interessant in dieser Beziehung ist der Brief Mendelssohns vom 23. Dezember 1770, worin sich zugleich die ganze bewundernde Begeisterung desselben für das Genie Kants offenbart. Es heißt darin unter anderem: „Herr Marcus Herz, der sich durch Ihren Unterricht und, wie er mich selbst versichert, noch mehr durch Ihren weisen Umgang, zum Weltweisen gebildet hat, fährt rühmlich auf der Laufbahn fort, dieer unter Ihren Augen zu betreten angefangen. So viel meine Freundschaft zu seinem guten Fortkommen beitragen kann, wird ihm sicherlich nicht entstehen. Ich liebe ihn aufrichtig, und habe das Vergnügen, fast täglich seines sehr unterhaltenden Umgangs zu genießen. Es ist wahr, die Natur hat viel für ihn getan. Er besitzt einen hellen Verstand, ein weiches Herz, eine gemäßigte Einbildungskraft und eine gewisse Subtiligkeit des Geistes, die der Nation natürlich zu sein scheint; allein welch ein Glück für ihn, daß eben diese Naturgaben so frühzeitig vom Wahren zum Guten und Schönen geführt worden sind. Wie mancher, der dieses Glück nicht gehabt, ist in dem unermeßlichen Raum von Wahrheit und Irrtum sich selbst überlassen geblieben, und hat seine edle Zeit und seine beste Kraft durch hundert vergebliche Versuche verzehren müssen, dergestalt, daß ihm am Ende beides, Zeit und Kraft fehlt, auf dem Wege fortzufahren, den er nach langem Herumtappen endlich gefunden hat. Hätte ich von meinem zwanzigsten Jahre einen Kant zum Freunde gehabt!" *) Friedrich Jacobis Werke, Band IV, Seite 3 u. 142.

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