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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1905-01-01 · 8 (1905) · p. Seite 142

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
8 (1905)
Article
Immanuel Kant in seinen Beziehungen zum Judentum
Date
1905-01-01
Page
Seite 142 (sequence 19)
Language
German
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142 essante Parallele zwischen den Forschungen der beiden Reformatoren der Philosophie anstellt, darin zu den folgenden Ergebnissen gelangend: Beide stimmen darin überein, daß die Logik eine bloße formelle, nicht aber eine reelle Erkenntnis Liefern kann. Beide erklären es daher für einen Mißbrauch des Denkens, wenn man das bloß Formelle durch sich selbst zu realisieren sucht, wie es die Metaphysiker gemeiniglich tun, ohne auf die Natur des Reellen (Materiellen) und die Bedingungen seiner Subsunktion unter dem Formellen Rücksicht zu nehmen. Sie unterscheiden sich bloß in dem Weg, den sie zur Abschaffung dieses Mißbrauchs einschlagen. Baco wählt den Weg der Induktion und zeigt die Methode an, dieselbe immer vollständiger zu machen. Kant hingegen beschäftigt sich mit der Analysis des Erkenntnisvermögens. Jener ist mehr für die Wirklichkeit der Gegenstände; dieser hingegen ist mehr für die Reinheit der Form der Erkenntnis und die Rechtmäßigkeit chres Gebrauchs besorgt. Endlich ist die Methode, die jener wählt, fruchtbarer, obschon die Evidenz nach derselben geringer ist. Die Methode, die dieser wählt, ist weniger fruchtbar, hingegen ist die Evidenz, nach derselben die allerstrengste. Salomon Maimon unterließ es nicht, ein Exemplar dieser Abhandlung seinem Meister Kant mit einem Begleitschreiben folgenden Inhalts zugehen zu lassen: „Wohlgeborner, Wohlgelehrter; Höchstzuehrender Herr Professor! Ew. Wohlgeboren werden mir gewiß verzeihen, daß ich mir abermals erlaube, gegenwärtige Zuschrift an Sie zu richten. Ich habe vor langer Zeit Bakons Schriften erhalten und gelesen; dieses hat mich veranlaßt, einen Vergleich zwischen Bakons und Ew. Wohlgeboren Bemühungen um die Philosophie anzustellen und dieselben in dem Berlinischen Journal für Aufklärung abdrucken zu lassen. Da ich aber besorge, hierin entweder zu viel oder zu wenig getan zu haben, so erbitte ich mir hierüber Ew. Wohlgeboren gütiges Urteil, welches mir gültiger und angenehmer sein wird, als das irgend eines eifrigen Anhängers oder Gegners. Daß man bei Darstellung der Gedanken eines etwas alten Schriftstellers nicht behutsam genug verfahren kann, um von der einen Seite dem Vorwurf der Verstümmelung und von der anderen dem des Unterschiebens neuerer Gedanken auszuweichen, weiß ich sehr wohl. Daher ich auch Ew. Wohlgeboren in der

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