Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1905-01-01 · 8 (1905) · p. Seite 140

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
8 (1905)
Article
Immanuel Kant in seinen Beziehungen zum Judentum
Date
1905-01-01
Page
Seite 140 (sequence 17)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3111067-3111082-3113595--2133-3113755
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

140 Jahren zuvor, von glühendem Durst nach Wissenschaft getrieben, aus seiner polnischen Heimat aufgebrochen und, kaum eines deutschen Wortes mächtig, im Gewand und Auszug eines Bettlers nach mühevoller Wanderung durch die Tore Berlins eingezogen. Chamisios berühmtes Gedicht „Abba Glosk Leczeka", die Geschichte des blutarmen jüdischen Ketzers, der von heißer Begierde nach Wahrheit gestachelt, von seinen unduldsamen Glaubensgenossen verjagt, aus dem innersten Polen nach Brandenburg pilgert, um in Berlin Moses Mendelssohns Rat und Unterricht zu genießen, stellt das poetische Seitenstück zu Salomon Maimons wirklichem Lebensschicksal dar. Der Kritiker, welcher den Mut und den Scharfsinn besaß, Kants Kritik „nachzubessern", war unter den unwürdigsten Lebensverhältnissen und ohne anderen als talmudischen Unterricht emporgewachsen. Groß war die Freude des armen Denkers, als er von Kants oben angeführten Auslassungen Kunde erhielt; besonders das Zeugnis des Königsberger Philosophen, daß Maimon ihn wohl verstanden habe, machte ihn glücklich. „Dadurch wurde", wie er in seiner „Lebensgeschichte" sagt, einigen stolzen Kantianern, die im Alleinbesitz der kritischen Philosophie zu sein glauben und daher jede Einwendung, obschon sie nicht aus eine eigentliche sogenannte Widerlegung, sondern auf eine nähere Ausführung dieser Philosophieabzielt, ohne Erweis mit der bloßen Behauptung: Der Verfasser hat Kant nicht verstanden, abfertigen, die Gelegenheit genommen, sich eben derselben gegen dieses Buch zu bedienen, indem ich nach eigenem Zeugnis des Urhebers dieser Philosophie mich eben dieses Arguments mit mehrerem Recht gegen diese Herren bedienen kann." Gleich nach Eintreffen von Kants Briefen ließ er dieses sein Werk betitelt: y „Versuch über die Transzendental- Philosophie" (Berlin 1790) erscheinen. Kant selbst nahm diese „Nachbesserung" seines Kritikers, als sie im Druck erschienen war, nicht sehr sympathisch auf; so schrieb er am 28. März 1794 an seinen Freund, den Philosophen Karl Leonhard Reinhold, die bitteren Worte: „Was z. B. ein Maimon mit seiner Nachbesserung der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.