Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 8 (1905)
- Article
- Immanuel Kant in seinen Beziehungen zum Judentum
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 139 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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139 dieses Werkes mit einer Anpreisung meinerseits zu begleiten, wäre nicht wohl tunlich, da es doch großen Teils auch wider mich gerichtet ist. Das ist mein Urteil, im Falle diese Schrift heraus gekommen wäre. Wollen Sie aber meinen Rat in Ansehung des Vorhabens, sie so wie sie ist herauszugeben, so halte ich dafür, daß, da es Herrn Maimon vermutlich nicht gleichgültig sein wird, völlig verstanden zu werden, er die Zeit, die er sich zur Herausgabe nimmt, dazu anwenden möge, ein Ganzes zu liefern, in welchem nicht bloß die Art wie er sich die Prinzipien der Erkenntnis a priori vorstellt, sondern auch was daraus zur Auflösung der Aufgaben der reinen Vernunft, welche das Wesentliche vom Zwecke der Metaphysik ausmachen, nach seinem System gefolgert werden könne, deutlich gewiesen werde, wo denn die Antinomien der reinen Vernunft einen guten Probierstein abgeben können, die ihn vielleicht überzeugen werden, daß man den menschlichen Verstand nicht für spezifisch einerlei mit dem göttlichen und nur durch Einschränkungen, das ist dem Grade nach, von diesem unterschieden annehmen könne, daß er nicht wie dieser als ein Vermögen anzuschauen, sondern nur zu denken müsse betrachtet werden, welches durchaus ein davon ganz verschiedenes Vermögen oder Rezeptivität der Anschauung zur Seite oder besser zum Stoffe haben müsse, um Erkenntnis hervorzubringen und daß, da die letztere, nämlich die Anschauung, uns bloß Erscheinungen an die Hand gibt und die Sache selbst ein bloßer Begriff der Vernunft ist, die Antinomien, welche gänzlich aus der Verwechslung beider entspringen, niemals aufgelöst werden könnten, als wenn man die Möglichkeit synthetischer Sätze a priori nach meinen Grundsätzen deduziert." Zugleich richtete Kant an Maimon selbst anläßlich ' der Zurücksendung des Manuskriptes mit der „fahrenden Post" die folgende Zuschrift: „Ew. Wohledelgeboren Verlangen habe ich, so viel als für mich tunlich war, zu willfahren gesucht und wenn es nicht durch eine Beurteilung Ihrer ganzen Abhandlung hat geschehen können, so werden Sie die Ursache dieser Unterlassung aus dem Briefe an Herrn Herz vernehmen. Gewiß ist, daß es nicht Verachtung, die ich gegen keine ernstliche Bestrebung in vernünftigen und die Menschen interessierenden Nachforschungen, am wenigsten aber gegen eine Sache wie die Ihrige ist, bei mir hege, die in der Tat kein gemeines Talent zu tiefsinnigen Wissenschaften verrät." Salomon Maimon, dem hier von Kant ein so glänzendes Zeugnis ausgestellt wurde, war, keine all zu lange Reihe von