Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 8 (1905)
- Article
- Immanuel Kant in seinen Beziehungen zum Judentum
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 137 (sequence 14)
- Language
- German
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137 und meine ganze Denkungsart nach denselben umzubilden. Ich habe mich äußerst bemüht, die letzten Resultate aus diesen Werken zu ziehen, sie meinem Gedächtnis einzuprägen, dann die Spuren des darin herrschenden Jdeenganges aufzusuchen, um so gleichsam in den Geist des Verfassers einzudringen. Ich habe mir zu diesem Zwecke die Resultate, so wie ich sie mir begreiflich gemacht habe, schriftlich aufgesetzt und einige Anmerkungen hinzugefügt, die hauptsächlich nur folgende Punkte betreffen: 1. Den Unterschied, den Sie zwischen den analytischen und synthetischen Sätzen angeben, ' und die Realität der letzteren. 2. Die Frage Quid Juris? Diese Frage war durch ihre Wichtigkeit eines Kants würdig; und gibt man ihr die Ausdehnung, die Sie ihr selbst gegeben, fragt man. Wie läßt sich mit Gewißheit etwas a priori auf etwas, a posteriori applizieren? So ist die Beantwortung oder Deduktion, die Sie uns in Ihren Schriften gegeben, wie die eines Kants sein kann, völlig befriedigend. Will man die Frage weiter ausdehnen, fragt man, wie läßt sich ein Begriff a priori auf eine Anschauung, obschon auf eine Anschauung a priori applizieren? So muß die Frage freilich den Meister noch einmal erwarten, um befriedigend beantwortet zu werden. 3. Eine neu bemerkte Art von Ideen, die ich Verstandsideen nenne, und die ebenso auf die materielle Totalität hindeuten, wie die von Ihnen bemerkten Vernunftsideen auf die formelle Totalität. Ich glaube hierdurch eine neue Aussicht zur Beantwortung der erwähnten Frage Quid Juris eröffnet zu haben. 4. Die Frage Quid facti? — Diese scheinen Sie bloß berührt zu haben; da es mir doch des Humeschen Zweifels wegen wichtig scheint, sie befriedigend zu beantworten. Diese Anmerkungen machen nun kürzlich den Inhalt des Mscpts. aus, das ich Ihnen vorzulegen wage. Meine zu gütigen Freunde dringen schon lange in mich, diese Schrift bekannt zu machen, allein nie wollte ich ihnen hierin willfahren, ohne sie Ihrem mir unschätzbaren Urteil unterworfen zu haben! Findet sie ein Kant seiner Bemühung nicht ganz unwürdig; so wird er gewiß den, der sich ihm ehrerbitig nähert, nicht verachten. Er wird ihm antworten, wird ihn belehren, wo er