Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 8 (1905)
- Article
- Immanuel Kant in seinen Beziehungen zum Judentum
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 136 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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136 hatte, zeigte ich es Herrn .... (Maimon nennt Markus Herz nicht, aber wir wissen aus dem Briefwechsel Kants, wessen Namen hier Maimon aus unerklärlichen Gründen verschweigt). Dieser gestand, daß er zwar zu Kants vornehmsten Schülern gezählt wurde und seinen philosophischen Vorlesungen aufs fleißigste beigewohnt habe, doch aber nicht imstande sei, die Kritik zu beurteilen; er riet mir daher, mein Manuskript geradezu an Kant selbst zu schicken und es seinem Urteil zu unterlegen, versprach mir auch, dasselbe mit einem Schreiben an den großen Philosophen zu begleiten." Salomon Maimon, erhaben über Zeit und Raum und an polnische Wirtschaft gewöhnt, gibt in seiner „Lebensgeschichte" fast nie eine Jahreszahl an, aber wir wissen, daß es im Jahre 1789 war, als er durch Vermittelung von Markus Herz an Immanuel Kant schrieb, diesem seinen Versuch einer Transcendental - Philosophie zusendend. Man wird gewiß den Wortlaut dieser Zuschrift von Salomon Maimon an Kant, die dem Empfehlungsbrief von Markus Herz beigelegt war, mit Interesse lesen. Sie lautet: „Verehrungswürdiger Mann! Durchdrungen von der Ehrfurcht, die man einem Mann schuldig ist, der die Philosophie und vermittelst derselben jede andere Wissenschaft reformiert hat, war es einzig Liebe zur Wahrheit, durch die ich dreist genug habe werden können, mich Ihnen zu nähern. — Schon durch Geburt bestimmt, die besten Jahre meines Lebens in den littauischen Wäldern, entblößt von jedem Hilfsmittel zur Erkenntnis der Wahrheit, zu verleben, war es Glück genug für mich, nach Berlin zu gelangen, obschon zu spät. Hier bin ich durch die Unterstützung einiger edel gesinnter Männer in den Stand gesetzt worden, den Wissenschaften obzuliegen; und es war, dünkt mich, natürlich, daß in dieser Lage, die eifrige Begierde meinen Hauptzweck, die Wahrheit zu erreichen, mich, jene Untergeordneten als: Sprachkenntnis, Methode usw. einigermaßen hintansetzen ließ. Daher durfte ich es lange nicht wagen, der jetzigen im Geschmack so diffizilen Welt etwas von meinen Gedanken öffentlich vorzulegen, obschon ich besonders mehrere Systeme der Philosophie gelesen, durchgelesen und zuweilen etwas neues darin gefunden habe. Endlich war mir das Glück noch aufbehalten, Ihre unsterblichen Werke zu sehen, zu studieren