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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1905-01-01 · 8 (1905) · p. Seite 133

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
8 (1905)
Article
Immanuel Kant in seinen Beziehungen zum Judentum
Date
1905-01-01
Page
Seite 133 (sequence 10)
Language
German
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133 lehrreiche Erklärungen der Kantischen Philosophie in gewissem Ansehen stehen. Ueber seine Stellung zu dem System des Meisters spricht er sich im Vorwort zu dem letztgenannten Werk dahin aus: „Die Reichhaltigkeit in Nebenbetrachtungen, welche Kant in die Schrift zu legen wußte, deren Auszug ich hier liefere, und das Wohlgefallen, das ich stets an Arbeiten fand, die so tief wie diese in die Seele des fühlenden Menschen greifen, machte, daß ich mich der Bearbeitung der „Kritik der Urteilskraft" wirklich, wie man sagt, con amore unterzog. Dies dient nun freilich meiner Arbeit zu keiner Empfehlung. Denn außer, daß man gegen Kinder der Liebe minder streng zu verfahren und den Willen, ihnen die höchste uns mögliche Vollendung zu geben, nicht selten für die Tat zu halten pflegt, war es mir unmöglich, die ganze Gedankenfülle des Urwerkes nach meiner Art verständlich in meiner Bearbeitung zu übertragen, wofern ich es nicht darauf anlegen wollte, daß Kants Werk dem Umfange nach nur ein Auszug aus dem meinigen scheinen sollte. Resultate mancher Theorien werden mit wenigen Worten in einem Beispiel zusammengedrängt, und worüber die Mairaner und die Priestley, die Winkelmanne und die Lessinge Bücher schreiben, steht in Kants Werk auf einer Oktavseite." Um nur ein Pröbchen der ebenso philosophischen wie zugleich auf monotheistischer Grundlage fußenden Anschauungs- und Darstellungsweise von Lazarus Bendavid, der keinen Augenblick sein Judentum verleugnete, zu geben, will ich hier nur aus seinem Vortrag: „Ueber den Zweck der christlichen Philosophie" („Vorlesungen über die Kritik der Urteilskraft", Seite 28 ff) einen Passus mitteilen, also lautend: „Immanuel Kant untersuchte 15 Jahre den Grund aller bisherigen Systeme und fand, daß es dem Menschen nicht vergönnt sei, das Dasein des kleinsten Wurmes durch bloße Schlüsse zu bewirken, nur dann erst, wenn eigene Erfahrung oder die Geschichte ihn über das Dasein einer Sache belehrt, kann er deren Eigenschaft durch Schlüsse entdecken, nur dann wissen, daß es da sei. Aber diese Untersuchung bedurfte einer Prüfung der Vernunft selbst; es müßte den Anmaßungen der Vernunft selbst ihre Grenze gezogen werden.

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