Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 8 (1905)
- Article
- Immanuel Kant in seinen Beziehungen zum Judentum
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 132 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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132 Verkauf meines Buches untersagt wären; beides hatte vielmehr seinen ungehinderten Fortgang nach wie vor." Bereits im Jahre 1795 hatte Lazarus Bendavid sein berühmt gewordenes Buch: „Vorlesung über die Kritik der reinen Vernunft" (Wien 1795, gedruckt und verlegt bei A. A. Patzowsky. Die zweite Auflage desselben erschien Berlin 1802) veröffentlicht. Ueber die Gesichtspunkte, welche ihn bei der Abfassung dieses Werkes leiteten, spricht er sich in der Vorrede zu demselben in der folgenden, in vielfacher Hinsicht interessanten Weise aus: „In großen Gesellschaften, sagte meine Tante, putze, Neffe, nie Licht. Der glücklichste Erfolg bringt keine Ehre, das Mißlingen macht dich lächerlich. Fast sollte man glauben, daß der Geist meiner Tante mich bei dieser Arbeit verlassen habe. Allein, außer daß ich selbst im Finstern saß und mein Werk für mich bei meinen Vorlesungen nötig hatte, glaubte ich, es lohne der Gefahr, lächerlich zu werden, bei Geschäften, die etwas mehr auf sich haben, als Licht putzen. Es gibt noch immer Liebhaber der Philosophie, die von den Kantischen neuentdeckten Wahrheiten unterrichtet sein möchten und denen die Arbeiten meiner Vorgänger. bald zu abstrakt, bald zu kurz und bald dadurch zu lang scheinen, daß sie mehr enthalten als Kant selbst gelehrt hat. Kant also, und nur ihn, in möglichem Zusammenhänge, möglicher Kürze und möglicher Popularität vorgetragen, zu studieren ist ihr Wunsch und ihrem Wunsche Genüge zu leisten der meine . . . Allen Lesern, die die kritische Philosophie aus meiner Arbeit kennen'lernen wollen, habe ich genug, vielleicht schon zu viel gesagt, denn ihnen die Verdienste dieser Philosophie anzurühmen sieht so marktschreierisch aus, daß es den Wen der Sache, die sich selbst so sehr empfiehlt, in meinen Augen herabsetzen hieße: ich als Leser werde durch dergleichen Weihrauch stets abgeraucht." Diesem lichtvollen Kommentar zur „Kritik der reinen Vernunft" ließ Bendavid ein Jahr später „Vorlesungen über die Kritik der praktischen Vernunft" (Wien 1796) und „Vorlesungen über die Kritik der Urteilskraft" (daselbst 1797) folgen, die beide sich gleichfalls großer Verbreitung erfreuten und noch jetzt als scharfsinnige und